Die Zelle
Schon wieder Freitag. Wie die Zeit vergeht. Morgen bin ich weg. Ich komme wieder! Jetzt habt ihr euch für einen kleinen Moment aber richtig geschreckt. So lustig.
Also ich fliege morgen mit der Luxbacherin weg. An einen geheimen Ort. Also die Luxbacherin und ich wissen natürlich, wohin, und der Pilot, der den Flieger steuert, hoffentlich auch. Ansonsten aber haben wir das nicht groß verbreitet. Man will ja auch einmal eine Ruhe haben.
Also Griechenland ist es jedenfalls nicht. Nicht nur wegen dem Wetter, das ja dort noch nicht so besonders toll ist, nein, mir geht in diesem Land manches zu weit. Der Herr Verleger, beispielsweise, wer sich erinnern kann, der ist, wenn er nimmer weiter gewusst hat, immer nach Athos geflogen. Also mit dem Herrn Verleger ist jetzt nicht unser geliebter Chef gemeint, sondern Axel Springer, der, wenn Sie sich erinnern können, ja auch die eine oder andere Zeitung herausgegeben hat. Nicht die SVZ natürlich.
Also wenn der Herr Springer, der Herr Verleger eben, wie er sich allseits gerne nennen ließ, um ein wenig darauf hinzuweisen, dass er quasi der einzig wahre Verleger weltweit war, ist immer in ein Kloster auf den heiligen Berg Athos geflogen. Dort hat er ein wenig mit den Mönchen geplaudert und nach ein paar Tagen war der Axel wieder groß und stark und hat solche Medien wie die Bild-Zeitung gegründet.
Jetzt ist das vielleicht ein blödes Beispiel, weil wenn die Mönche dem Springer eingeredet hätten, die Bild zu gründen, müsste man sie ja fast vom Empfang der heiligen Sakramente ausschließen, dennoch, dem Herrn Verleger haben seine Klosteraufenthalte gut getan. Und das, obwohl er sonst ja gar nicht besonders für die Enthaltsamkeit und Askese geschwärmt hat.
Umso mehr muss man da ja jetzt fragend die Äuglein zum lieben Gott hoch richten, wenn man hört, dass der Abt Efraim, wer ihn kennt, also der Chef von den Mönchen im Kloster Vatopedi auf dem Berg Athos, festgenommen wurde. Also verhaftet. Eingenäht. Der sitzt tatsächlich im Häfn.
Athos ist nämlich, das muss man jetzt erklären, zwar in Griechenland, ist aber auch teilautonom und irgendwie, doch aber auch nicht ganz, ein eigener Staat. Und da hat sich der Herr Efraim offenbar gedacht, er kauft sich eine Waschmaschine und wäscht halt für andere.
Jetzt hat dem Gottesmann, die Jungs sind ja oft wirklich blauäugig, aber keiner gesagt, dass man mit so einer Waschmaschine kein Geld für andere Leute, böse Steuerbetrüger etwa, waschen darf. Und der Efraim hat fest gewaschen und gewaschen. Und dann hat ihn halt die Schmier abgeholt aus dem Kloster, also um ein schönes Wortspiel einzuführen, aus seiner Zelle abgeführt und in eine andere Zelle, eine des Staates, eingewiesen. Gut, der Efraim ist das Leben in der Zelle seit Jahr und Tag gewöhnt, dennoch wird er wohl nicht glücklich sein.
Jetzt haben die beiden Geschichten, also die mit dem Herrn Verleger und die mit dem Efraim, dem Pilcher, natürlich nichts miteinander zu tun. Oder doch? Hat Axel Springer damals etwa gar keinen Rat bei den Mönchen gesucht? Hat er im Gegenteil den Mönchen die Grund- und Winkelzüge des Kapitalismus beigebracht? Wir werden es nie erfahren. Nicht einmal aus der Bild.
Ja ja, jetzt ist schon wieder Freitag. Wie doch die Zeit vergeht. Und wird es morgen in Österreich wirklich noch kälter?


Überwiegend sonnig