Selbstverständlichkeiten und Überraschungen
Schon wieder Freitag. Wie die Zeit vergeht. Die USA sind gerettet! Endlich haben die zuständigen Gremien zugestimmt, dass die Schuldengrenze erhöht werden darf und der Herr Obama weiterhin fesch Schulden machen kann.
Aber irgendwie ist jetzt keiner so wirklich überrascht. Oder hätten Sie gedacht, dass die Amis jetzt Konkurs anmelden, nichts mehr zahlen und sich kollektiv aufhängen? Es waren wohl eher politische Spielereien.
Dass dieses Land fertig ist, sich die vielen Jahrzehnte der blindwütigen Kapitalistengier, gemischt mit der selbst erfundenen Rolle als Weltpolizei nicht günstig ausgewirkt haben, ist inzwischen jedem klar. Dass sich aber wohl keine politische Kraft in diesem Land dafür verantwortlich machen will, der Konkursrichter Amerikas gewesen zu sein, ist logisch. Und dass der Herr Ami-Präsident es aus verständlichen Gründen nicht brauchen kann, dass die ganze Welt erfährt, dass die Amis neger sind, ist auch klar.
Ein Sturm im Wasserglas also. Mehr nicht. Neben solchen Selbstverständlichkeiten gibt es im Leben aber auch wirkliche Überraschungen. Ich bin ja immer noch in der letzten Ecke des oberösterreichischen Mühlviertels, direkt an der tschechischen Grenze, auf Urlaub. Und in unserem Hotel gibt es jeden Dienstag eine besondere Belustigung. Denn an diesem Tag steht das abendliche, aus sechs Gängen bestehende und ansonsten recht anständige Abendmenü, nicht auf einer Karte, nein, man muss erraten, aus welchen Zutaten die Gerichte bestehen, das auf einen Zettel schreiben und danach in der Hotelbar der Auflösung dieses immens lustigen Rätsels harren.
Und weil wir recht humorlos sind, hat die Luxbacherin, wer sie kennt, diesen Dienstag die glorreiche Idee gehabt, dass wir einfach ausbüchsen. Und so sind wir in das nahegelegene Örtchen Heuraffl, seit dem Ende des damals so genannten tausendjährigen Reiches tschechisch Predni Vyton genannt, gefahren. Das ist nur fünf Kilometer von unserem Urlaubsort hinter der tschechischen Grenze. Wir sind dann zum Wirten beim Kreisverkehr gegangen. Genau genommen zum unteren Wirten beim Kreisverkehr, also zum Barborka, wer ihn kennt, also nicht zum oberen Wirten beim Kreisverkehr. Der heißt anders.
Und weil einem die tägliche 6-Gang-Nobelesserei mit der Zeit auf den Sack geht, habe ich gleich ein Hühnerschnitzerl und eine Leberknödelsuppe, in der umgekehrten Reihenfolge, bestellt. Und dazu noch Pommes. Also zum Schnitzel, nicht zur Suppe.
Gegen die Leberknödelsuppe, beim Barborka natürlich tschechisch Hovezi s Knedlichy genannt, war auch gar nichts zu sagen. Suppe halt mit Leberknödel. Das Hühnerschnitzel hat mich dann aber überrascht. Bekommen habe ich jedenfalls zwei Leichenteile eines glücklichen Böhmerwald-Huhnes, diese schwimmend in einer Preiselbeerbrühe, die von den Hranolky, also den tschechischen Pommes, aufgesaugt wurde. Offenbar hatte der im übrigen höchst würdevoll auftretende Kellner, lediglich „Hühner“ verstanden und sich den Rest selbst überlegt. In der Karte stand nämlich leider auch ein Hühnersteak mit einer „Sause“ aus Preiselbeeren, also ein Kureci Steak Brusinky, wer so was kennt.
Naja, so habe ich mich eben beim Barborka in Heuraffl dieser überraschenden Wendung ergeben, die von der „Sause“ aufgeweichten Hranolky freudig gegessen und ein wenig Pecivo aus dem Brotkorb dazu geknabbert.
Ja ja, jetzt ist schon wieder Freitag. Wie doch die Zeit vergeht. Und können Sie gut Tschechisch?


Überwiegend sonnig