Der Hitzekoller
Schon wieder Freitag. Wie die Zeit vergeht. Dass es im Oktober noch so warm sein kann ist ja wirklich eine Sensation. Aber das war diese Woche nicht die einzige Sensation. Noch sensationeller als das sensationelle Herbstwetter war die sensationelle Meldung „Koller wird ÖFB Teamchef“. Also so etwas wirft dich doch tatsächlich aus den sprichwörtlichen Socken. Sicher, Dagmar Koller ist eine tolle Frau. Diesbezüglich habe ich mich auch gleich geärgert, dass überall in den Medien von einem „Teamchef“ die Rede war. Richtig hätte es ja wohl „Teamchefin“ heißen müssen. Aber Fußball ist halt irgendwie doch noch eine, vielleicht die letzte, Männerbastion und so hab ich mir da nichts mehr dabei gedacht. Dagmar Koller als Trainerin unserer Nationalmannschaft. Wahnsinn. Super. Ich habe dem Herrn Windtner, dem so genannten ÖFB-Präsidenten, ja allerhand zugetraut, so eine unendlich coole Entscheidung hätte ich aber nie für möglich gehalten. Noch ein paar Worte zu Dagmar Koller, falls Sie da nicht mehr alles präsent haben oder gar zur jüngeren Generation gehören und Dagmar Koller vielleicht gar nicht kennen. Also Dagmar Koller wurde, naja, sagen wir zur Sicherheit in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts in Klagenfurt geboren. Klagenfurt, zur Erinnerung, ist die Hauptstadt von Kärnten, einem vielfach so genannten Schurkenstaat im Süden der Republik Österreich. Kärnten ist jenes Bundesland, in dem, abweichend zu den acht anderen Bundesländern, für manche Politiker die Unschuldsvermutung nicht mehr gilt weil sie tatsächlich bereits verurteilt wurden. In den anderen acht Bundesländern gilt die Unschuldsvermutung für alle Politiker so lange bis auch diese Verurteilt worden sind. Dagmar Koller ist Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin. Bekannt wurde sie mit Rollen in Land des Lächelns, My Fair Lady und West Side Story. Dreißig Jahre lang war sie mit Helmut Zilk verheiratet. Helmut Zilk war jener unvergleichliche Schauspieler, der insbesondere seine Rolle als Bürgermeister von Wien so gut spielte, dass zahlreiche Wienerinnen und Wiener immer noch der Meinung sind, er wäre tatsächlich Bürgermeister von Wien gewesen. In ihrer Freizeit gibt Frau Koller gerne Autogramme und tritt in allgemein so genannten Talkshows auf. Dort spricht sie zu jedem gewünschten Thema über sich selbst. Morgens trinkt sie, wenn ich mich an ein Interview im Staatsradio richtig erinnere, immer ein Glas Gin. Oder war es eine Flasche? Egal, jedenfalls hält das die Frau Koller jung und fit. Nur so ist auch zu erklären, wie sie im Alter von 71 Jahren (es gilt die Unschuldsvermutung) noch Trainerin unseres Fußball-Nationalteams, das 1978 sogar Deutschland besiegte, werden kann. Dass ihr Mann, der Helmut, immer gesagt hat „Der Ball muss ins Tor, Dagi“, wird sie den Spielern erklären. Und die werden das verstehen. Und wir werden zweifellos ganz vorne dabei sein im Fußball. Gegen Mittwoch, 17 Uhr, habe ich bemerkt, dass das sensationelle Herbstwetter mir die sensationelle Fußball-Nachricht nur vorgetäuscht hat. Hitzekoller. Dagmar Koller wird nicht Teamtrainerin. Nein. Es handelt sich um Herrn Marcel Koller. Er kommt aus der Schweiz.
Ja ja, jetzt ist schon wieder Freitag. Wie doch die Zeit vergeht. Und was macht jetzt Dagmar Koller?


Überwiegend sonnig