design by atikon.com - Werbeagentur Linz, Österreich
Überwiegend sonnig
Viel Sonne, nur hin und wieder dünne Wolken. In der Früh kalt, am Nachmittag zunehmend mild.
Temperaturen: -5 bis +22 Grad
 

Luxbacher

Der schwarze Wolfgang

Schon wieder Freitag. Wie die Zeit vergeht. Erfolglosigkeit ist keinerlei Grund für einen Rücktritt. Das durften wir in dieser Woche lernen. Das gilt für Fußballtrainer ebenso wie für die Damen und Herren Politiker.

Dennoch gab es in dieser Wochen einen – manche höhnen verspäteten – Rücktritt. Und ein wenig erinnert das an ein Kartenspiel, das wir in der Kindheit gerne gespielt haben. Schwarzer Peter. „Schwarzer Peter“ ist ja eine Art Vorbereitungslehrgang für den Nachwuchs auf mögliche spätere politische Aufgaben. Sinn und Ziel dieses Spieles ist es, einerseits alles los zu werden und andererseits am Ende ja nicht im Besitz des „Schwarzen Peters“ zu sein. Ob man ihn dazwischen zeitweilig hat oder nicht, spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass man ihn bis zum Ende, sagen wir bis zur Wahl, los wird.

Manch aufgewecktes Kind geht dabei so weit, dass es die Karte mit dem Abbild des ungeliebten „Schwarzen Peter“ hinten leicht markiert. Irgendwo müssen die künftigen Bundeskanzler ja her kommen. Und Minister und Telekom-Vorstände brauchen wir ja in Zukunft auch.

Der Herr Schüssel, der gewesene Bundeskanzler, wer sich noch erinnern kann, hat das in der Kindheit offenbar nicht so recht überzuckert. In diesen Tagen jedenfalls, so scheint es, ist er auf dem „Schwarzen Peter“ sitzen geblieben und wird so ein wenig unglücklich als erfolgloser Wendekanzler und „schwarzer Wolfgang“ der ÖVP in die Geschichte eingehen.

Das Wort „Wendekanzler“ bezieht sich übrigens nicht auf die Wende vom Mascherlträger zum Krawatten-Kanzler, sondern auf den vielleicht nicht ganz glücklichen Versuch, als Wahl- Dritter gemeinsam mit einer Partei, die fast jährlich den Namen gewechselt hat, Bundeskanzler zu werden.

Jetzt tritt Schüssel zurück. Aber nicht, wie er betont, weil er den berühmten Dreck am Stecken hätte, nein, eben weil er diesen nicht hat. Mangels nachvollziehbarer Logik trägt ihm das eben den „Schwarzen Peter“ ein.

Dennoch, verdient hat er sich das nicht. Eigentlich darf man in Österreich nach über vierzig Jahren in der Politik auf eine kleine, wenn vielleicht auch halbherzige, Feierstunde am Ende hoffen. Nach vier Jahrzehnten oftmals so genanntem Dienst an der Republik so durch die Hintertür hinaus gehen zu müssen, hat sich Schüssel nicht verdient.

Ich bin weit davon entfernt, zu den Leuten zu zählen, die sich „Wolfgang“ mit einem Herzerl auf den Arm tätowieren lassen, fest steht aber, dass es ganz sicher deutlich schlimmere Gestalten in der österreichischen Politik gab. Aber manchmal ist es eben nicht der Inhalt, sondern die Verpackung oder eben das Geschick im Spiel vom „Schwarzen Peter“. Und da war der Herr Wendekanzler eben gar kein Ass.

Gewendet hat sich seit den Tagen seiner Kanzlerschaft leider auch der Zugang zu Politik. Die Nichtwähler werden wohl noch lange Zeit die „Absolute“ für sich beanspruchen. Und das ist eigentlich schade. Zumindest wenn man an den Versuch der Demokratie glaubt. Ah ja, damit ich das nicht vergesse: Es gilt natürlich über den Herrn Schüssel hinaus auch für alle ehemaligen und aktiven Politiker, für alle Vorstände staatsnaher Unternehmen, für alle Lobbyisten, für Jäger aus dem Burgenland und alle, die ich vergessen habe, die Unschuldsvermutung. Obwohl wir darüber hinaus natürlich auch noch so manche Vermutungen haben.

Ja ja, jetzt ist schon wieder Freitag. Wie doch die Zeit vergeht. Und wäre Wolfgang Schüssel vielleicht ein guter Nationalteamtrainer?

Ein Unternehmen der Aistleitner-Holding
SVZ.AT als Startseite festlegen Zurück Drucken
Salzburger Volkszeitung, Schrannengasse 6, 5020 Salzburg
Tel: +43(0)662/879491, Fax: +43(0)662/87949113, Mail: