Der Onkel aus Amerika
Schon wieder Freitag. Wie die Zeit vergeht. Und damit Sie sehen, dass ich auch immer wieder für eine Überraschung gut bin, schreibe ich nicht über das Wetter. Das ist dann doch zu platt. Das machen ohnehin andere. Obwohl, Wetter, natürlich ein gutes Sommerthema in der Zeitung.
Anbieten würden sich auch die dort so genannten Ausschreitungen im Vereinigten Königreich. Aber dazu möchte ich eigentlich gar nichts sagen.
Ebenso enthalte ich mich jeglichen Kommentars zu den angedrohten Streiks der deutschen Fluglotsen. Wenn jemand nur rund hunderttausend Euro im Jahr verdient, dafür fast dreißig Stunden in der Woche arbeiten muss und dann auch höchstens zehn Wochen Urlaub hat, muss er sich natürlich wehren. Das ist klar. Wo kommen wir denn da hin. Als nächstes müssen dann vielleicht noch die Lehrer einundzwanzig Stunden in der Woche arbeiten. Da kann ich nichts schreiben, da reg ich mich zu sehr auf.
Ich möchte Ihr Augenmerk diese Woche auf die ehemalige Weltmacht USA lenken. Nach dem Krieg hat ja jeder davon geträumt, einen Onkel aus Amerika zu haben. So einen mit einem dicken, fetten Ami-Schlitten und einer ebenso fetten Geldtasche.
Diese Träume sind wohl dadurch entstanden, dass die Amis, nachdem sie Deutschland und Österreich in Schutt und Asche gelegt und so nebenbei in Japan ganze Landstiche mit zwei Atombomben ausradiert hatten, mit Kaugummi, Schokolade, Care-Paketen und Größenwahn die guten Onkel gespielt haben.
Und damit wir auch weiterhin an das Märchen von den guten Amis und den bösen Russen geglaubt haben, was im damals so genannten „kalten Krieg“ für die Amis nicht ganz unwichtig war, haben sie uns das mit dümmlichen Ami-Fernsehserien eingetrichtert. Vom Tellerwäscher zum Millionär könnte man im gelobten Land über dem großen Teich werden. Und Schwarzenegger hat es bewiesen, obwohl er nicht einmal Teller waschen konnte.
Fakt ist jedenfalls, dass jeder Depp in Amiland was werden kann. Er bleibt allerdings ein Depp.
Und das hat jetzt für das Land der selbsternannten Weltpolizisten zu gewissen Problemen geführt. Denn der gierige, alles verschlingende Kapitalismus ist wie ein Bernhardiner, er weiß nicht, wann es genug ist, und frisst immer weiter.
Und weil der Kapitalismus eben Kapitalismus heißt, frisst er Kapital, so wie der Ameisenbär eben Ameisen. Der Ameisenbär kann aber nur Ameisen fressen, die es auch gibt. Der Kapitalismus hat sich, wenn kein Kapital mehr da war, Kapital geschaffen. Verschreibungen auf Verschreibungen von Verschreibungen. Und weil die verschiedenen Ami-Präsidenten das Werkl am Laufen halten wollten, haben sie auch was gemacht: Schulden. Und weil die Herrschaften von den Rating-Agenturen nicht mehr so recht an die wundersame Geldvermehrung glauben wollen, haben sie die USA in der Kreditwürdigkeit von AAA auf AA+ heruntergestuft. Und AA+ klingt schon nach dem, was es ist: Kacke.
Die von sich selbst so genannte Supermacht USA hat eine schlechtere Bonität als Österreich. Da rinnt dir doch das Ketchup aus dem Burger!
Sofort hat der Präsident Obama, wer ihn kennt, der schwarze Onkel aus dem Weißen Haus, reagiert. Wir werden immer AAA sein! Klingt gut, stimmt aber nicht.
Und das Problem daran, pleite zu sein, ist, dass es auch nicht dadurch gelöst werden kann, irgendwo in Asien einen Vertreter des Bösen abzuknallen. Diesmal wird wohl der eigene Saustall auszumisten sein. Keiner hofft mehr auf den Onkel aus Amerika. Wer will schon die verarmte Verwandtschaft durchfüttern.
Ja ja, jetzt ist schon wieder Freitag. Wie doch die Zeit vergeht. Und hat sich Donald Duck wirklich erschossen?


Überwiegend sonnig