Neun Hasen
Schon wieder Freitag. Wie die Zeit vergeht. Diese Woche war ich ja mit dem Chef und dem Herrn Motorredakteur in Mörfelden. Also eigentlich waren wir in Frankfurt bei der Automesse IAA. Weil der Chef sagt immer, dass reisen bildet, und drum hab ich mitfahren dürfen. Weil aber überall auf der Welt dauernd Krise ist und alles, müssen natürlich auch wir sparen, und daher haben wir in einem Hotel in Mörfelden, ich möchte jetzt nicht sagen, wie es heißt, weil ich mit denen bezüglich Schleichwerbung nichts ausgemacht habe, übernachtet.
Und da stehe ich dann zu späterer Stunde so auf dem Balkon von meinem Hotelzimmer in Mörfelden und rauche eine Zigarette, wofür man in geschlossenen Räumen ja neuerdings erschossen wird, und denke mir, warum ein Ort wohl Mörfelden heißt. Man hat ja Zeit zum Nachdenken, wenn man nachts allein in einem Hotel in Mörfelden am Balkon raucht. Und dann schaue ich, immer noch denkend, ich denke ja dauernd, vom Balkon hinunter. Und da sitzen gezählte neun Hasen. Und die neun Hasen grasen, wie man poetisch und ein wenig kindisch sagen könnte. Alles klar. Was fressen Hasen gerne? Eben.
So eine Automesse ist ja eine lustige Sache. Noch dazu an den Pressetagen. Da rennen dann keine Omis mit ihren Enkerln herum, die sich über das hübsche kleine blaue Auto freuen. Nein, das sind alles Profis. Die Creme der automobilen Journalistik. Und der Luxbacher.
Faszinierend dabei ist vor allem stets die Einsatzfreude der Damen und Herren aus Asien, die ja an der unverkennbaren Augenstellung leicht erkennbar sind. Autos werden auch von unten fotografiert, umfangreiche Notizen gemacht und kein Detail ausgelassen. Das diesbezügliche Highlight war aber ein Chinese, der bei allen ausgestellten Autos der Marke Volvo die Abdeckungen der Motoren entfernt hat um ordentliche Bilder des Motors zu bekommen. Bei Volvo hat er sich das ja trauen dürfen. Die an sich schwedische Autofirma gehört ja längst zu einem chinesischen Konzern.
Überhaupt scheint der Automarkt von China dominiert zu sein. Weil die Automanager sind natürlich, wie gesagt werden darf, durch und durch geldgeil. Und weil in China natürlich noch viel mehr Autos gebraucht werden als bei uns, richtet man, schlau natürlich, den ganzen Autobau danach aus. Und so gesehen ist die Autoindustrie ja auch die Geheimwaffe der europäischen Politik.
In China wachsen ja manche Vermögen, wie überall, wo die Regeln noch ein wenig schluderig sind, immens schnell. Viele Millionäre, viele teure Autos. Sind aber viele teure Autos unterwegs, wollen das alle haben.
So wie man ehedem die Indianer in Amerika mit ansteckenden Seuchen aus dem alten Europa ausgerottet hat, um für die Europäer, die heutigen Amerikaner, Platz zu machen, so macht das heute die Autoindustrie mit dem Autovirus. Wenn die Leute in China einmal Blut geleckt haben nach Blech, Chrom, Abstandsradar und Navigationssystem, werden sie morden für ein Auto. Die Autoindustrie schleppt mit den Autos den Kapitalismus ein und schon ist auch in Asien ein neues Griechenland entstanden. Subtil, nicht? Da können die Schlitzaugen noch so viel Kohle haben, das Auto haben wir erfunden.
Ja ja, jetzt ist schon wieder Freitag. Wie doch die Zeit vergeht. Und was für ein Auto haben Sie?


Überwiegend sonnig