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Luxbacher

Die Wurst

Schon wieder Freitag. Wie die Zeit vergeht. Momentan überschlagen sich ja die Ereignisse. Die Griechen haben sich einen Superbanker als Staatschef geholt. Der soll jetzt dieses berühmte Wunder des Herrn Jesus wiederholen. Etwas abgewandelt halt. Weil mit Fisch und Brot können die im Moment nichts anfangen. Er soll also einen einzigen, den letzten Euro nehmen und ihn verteilen, verteilen, verteilen, verteilen und verteilen. Und mit den Resten zahlen die Griechen dann noch alle Schulden und leben glücklich und zufrieden. In Ewigkeit. Amen.

Nächster Knüller: Der Herr Berlusconi, wer ihn kennt, ein bekannter Weiberer aus Italien, oftmals auch der „Cavaliere“ genannt, zieht sich nach Jahrzehnten als Staatschef von Italien zurück. Und es waren gute Jahre, Berlusconi hat heute wesentlich volleres Haar als vor zwei Jahrzehnten. Für Italien waren es nur Jahre.

Und die Sensation der Sensationen: Österreich beschließt die Schuldenbremse! Weil die bösen Buben von den Ratingagenturen stehen schon hinter der Ecke und lauern. Und darum schwört jetzt unsere Regierung feierlich, in Zukunft so sparsam zu sein, dass wir in zehn Jahren weniger Schulden haben als heute.

Also eigentlich nicht ganz. Eher so, dass der Anteil, der künftig an Schulden dazukommt, im Verhältnis zu dem, was wir dann künftig vielleicht einnehmen, geringer ist als der Anteil der Schulden an dem, was wir jetzt verdient haben. So ungefähr.

Es ist ein wenig so, wie wenn ein Besoffener dem Wirten mit dem Auto in die Gartenmauer brettert und sich dann vornimmt, künftig früher zu bremsen. Schuldenbremse halt. Alles klar? Und zwischen all diesen Höhepunkten der Weltpolitik die Sensation der Sensationen: Frau Christine Hödl, wer sie kennt, wird Siegerin bei der „großen Chance“. Aber das muss man erklären.

In allen Ländern der Welt gibt es heute Castingsendungen. Das ist in Amerika mit „Super-Idol“ los gegangen. Deutschland sucht in DSDS (Deutschland sucht das Suppenhuhn) künftige Stars, andere Sender suchen das Supertalent, das nächste Super-Model, des Mega-Hausmeister und so weiter. Diese Formate dienen dazu, zwischen den intellektuell anspruchsvollen Blöcken, wo etwa ein Bauer eine Frau sucht oder der Herr Baumeister Lugner ein Haustier, für Entspannung zu sorgen. Und unser geliebtes Staatsfernsehen nimmt unter dem Motto „Ich will, kann aber nicht“ auch an diesem Trend teil. Und das mit dem Klassiker aus den Sechzigern: Die große Chance.

Peter Rapp heißt jetzt Doris Golpashin und knöpft die Bluse bis zum Nabel auf. Noch rasch eine Jury dazu gezimmert: ein in Deutschland offenbar ausgewiesener Durchschnitts-Rapper namens Sido, ein greiser Zirkusdirektor mit fescher Siebziger-Brille, eine Sabine mit Z und dazu noch eine Dame aus dem Osten, die kein Mensch kennt. Fachleute halt. Und dann zeigt uns das Staatsfernsehen in ein paar Folgen die größten Talente des Landes, was mich ein wenig nachdenklich stimmt. Das sind nämlich schon die größten Talente!

Aber gut, da kommen halt allerhand Jongleure, Kunstfurzer, von sich selbst so genannte Sänger und höchst eigenartige Wesen wie die Frau Wurst. Die Frau Conchita Wurst, wer sie kennt, ist zwar beim letzten ORF-Format „Starmania“ noch als Mann aufgetreten, wurde aber im Zuge der Sparmaßnahmen nun zur Frau gemacht. Singen kann sie mit und ohne Busen nicht, die Show ist – für die Verhältnisse des Staatsfernsehens – aber extraordinär gut.

Gewonnen hat dann allerdings die Frau Hödl. Die kann auch nicht singen. Sie konnte fassungslos auch nichts sagen. Wir werden aber noch viel von ihr hören. Ebenso wie vom Sieger der Sendung „Starmania“.

Ja, der berühmte Michael Tschuggnall wurde durch „Starmania“, also durch unser Staatsfernsehen, weltberühmt. Auf www.michaeltschuggnall.com können Sie auch in seinem höchst aktuellen Tagebuch lesen: 1. September 2007, es gibt nicht wirklich viel zu berichten…

Ja ja, jetzt ist schon wieder Freitag. Wie doch die Zeit vergeht. Und wie viele Enden hat die Wurst?

Ein Unternehmen der Aistleitner-Holding
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