Der Frosch denkt
Schon wieder Freitag. Wie die Zeit vergeht. Die meisten Dinge im Leben sind ja quasi selbsterfüllend. Man ist spät dran und ist überzeugt davon, dass man jetzt auch keinen Parkplatz finden und daher hoffnungslos zu spät kommen wird. Und tatsächlich findet man natürlich keinen Parkplatz und dann fährt man zum Parkhaus. Und auf dem Weg zum Parkhaus sieht man gleichermaßen gedanklich wie unheilvoll das rote Schild bei der Einfahrt vor sich. Besetzt! Und tatsächlich ist das Parkhaus natürlich voll. Und dann fährt man die erwarteten Runden um das anvisierte Ziel und kommt, die Erwartung erfüllt sich, hoffnungslos zu spät. Das ist die eine Variante. Es gibt aber auch jene, zugegeben seltenen, Überraschungen im Leben, die man als so genannte glückliche Fügung bezeichnen möchte. Eine Minute vor dem Termin und der direkteste von allen direkten Parkplätzen vor dem Ziel ist frei. Naturgemäß schaut man dann ganz genau, ob es nicht doch irgendwo eine Tafel gibt, ein Verbotsschild, ein drohendes Abschlepp-Piktogramm, eine Bodenmarkierung, die den freien Parkplatz als Behinderten-Parkplatz ausweist. Aber nein, es handelt sich ganz einfach um einen Parkplatz. Einen freien Parkplatz. Und man ist pünktlich und überrascht. Oder nehmen Sie die Fälle, wo man den ganzen Sonntag damit beschäftigt ist, darüber nachzugrübeln, wie man den nächsten Urlaub finanziert. Und dann öffnet man am Montag den Briefkasten, findet ein Schreiben vom Finanzamt vor, zuckt zusammen, öffnet zaghaft das Schreiben der Obrigkeit und bekommt tatsächlich eine kräftige Steuerrückzahlung. In solchen Fällen schleicht sich dann immer so leicht das Gefühl ein, dass es vielleicht irgendeine höhere Macht gibt, die nach einer für uns unverständlichen Logik die Fäden zieht. Vielleicht ist das, was wir für die große, weite Welt halten, für diese höhere Macht ja gar nichts anderes als eine Sandkiste. Noch ein kleines Beispiel: Vorletzte Woche war ich in einem Hotel und habe dort abends gegessen. Und dank unserer feschen Raucher-Gesetze habe ich mich danach noch ein wenig in die so genannte frische Luft gesetzt. Das ist in sich ein Unsinn, gleichzeitig aber auch Realität. Und da sehe ich einen kleinen Frosch. Ungefähr vier Zentimeter lang und in Ermangelung entsprechender Kenntnisse ein von mir so genannter Laubfrosch. Und dieser kleine Frosch war gerade auf dem Weg ins Restaurant. Nun ist aber naturgemäß ein Restaurant kein vernünftiger Aufenthaltsort für einen Frosch. Also abgesehen von jenen Fröschen, die mancherorts auf Tellern serviert werden. Aber auch da kann man geteilter Meinung sein. Und weil mir klar war, dass der kleine Laubfrosch, der sich vermutlich auf seiner bislang längsten, vermutlich aber auch gefährlichsten Reise befand, in spätestens zwei Minuten von dem im Restaurant befindlichen Nichtraucher-Pöbel zertrampelt würde, leerte ich mein Wasserglas und lies den Frosch hinein springen. Ich habe ihn dann zu einem Teich im Hotelpark gebracht und auf ein Seerosenblatt gesetzt. Sicher, Seerosenblatt ist vielleicht ein wenig kitschig, aber das ist halt der Romantiker in mir. Für das Leben des Frosches, des von mir so genannten Laubfrosches, hat sich damit aber natürlich eine ganz neue Wendung ergeben. Sein Weg hätte in den sicheren Tod geführt. So aber kann er noch lange auf den Seerosen sitzen und eines Tages seinen Froschkindern von seiner Begegnung mit dem Luxbacher erzählen. Der Frosch denkt und der Luxbacher lenkt, wie gesagt werden kann.
Ja ja, jetzt ist schon wieder Freitag. Wie doch die Zeit vergeht. Und haben Sie heuer schon tüchtig gegrillt?


Überwiegend sonnig