Der Linkshänder
Schon wieder Freitag. Wie die Zeit vergeht. Die meisten Menschen sind allgemein so genannte Rechtshänder. Keine Ahnung, warum. Irgendwie scheint es sich so ergeben zu haben, dass ein Großteil der Menschheit dazu neigt, die elementaren Tätigkeiten mit der rechten Hand oder zumindest federführend mit der rechten Hand unter Zuhilfenahme der linken auszuführen.
Die meisten Menschen sind jedenfalls Rechtshänder. Ich bin auch Rechtshänder. Meistens.
Diese Woche allerdings begab es sich, dass aus dem gewohnheitsmäßigen Rechtshänder Luxbacher ein temporärer Linkshänder wurde. Und das durch eine, wie mit Fug und Recht behauptet werden kann, so genannte Verkettung unglücklicher Umstände.
Begonnen hat alles, wie es immer beginnt. Harmlos. Die Luxbacherin, wer sie kennt, begab sich auf den Weg zu ihrer Wirkungsstätte. Denn dort ist die Luxbacherin, wie zu Hause ja auch, die Chefin und wird daher naturgemäß dringend gebraucht. Nun stellten sich aber, womit das Grauen seinen Lauf nahm, der Luxbacherin zwei auf rutschiger Fahrbahn verunfallte, quer über die Fahrbahn stehende Motorkraftwagen in den Weg.
Für das von der Luxbacherin daraufhin zweifellos vollkommen sachgerecht eingeleitete Bremsmanöver war die zur Verfügung stehende Länge der rutschigen Fahrbahn aber zu kurz. Und auch die nachkommenden Fahrzeuge fuhren wahlweise in den bereits angesammelten Autoschrott oder in benachbarte Vorgärten, zum Nachteil der dortigen Gartenzäune, wie angefügt werden darf.
Da sich diese Apokalypse aber nur wenige hundert Meter von unserem Wohnhaus zutrug, machte ich mich nach telefonischem Kurzbericht der Luxbacherin zu Fuß, um das Inferno nicht noch zu bereichern, auf den Weg zur Unfallstelle. Dort angekommen erlangte auch ich Kenntnis von den ungünstigen Fahrbahnverhältnissen und landete nach einem eingesprungenen, siebenfachen Affenberger auf jenem Körperteil, der mir bisher zu Ansehen und Wohlstand verholfen hatte, der rechten Hand.
Im Ergebnis: eine, dem Herrn sei es gedankt, vollkommen unverletzte Luxbacherin, ein mittelgroßer Auftrag für die Kfz- Werkstätte unseres Vertrauens und mein Besuch in der dort so genannten Notaufnahme eines Krankenhauses.
Der Name Notaufnahme rührt vermutlich von der dort herrschenden Personalnot her. Vielleicht auch von der lieben Not die es den Mitarbeitern dort bereitet, die notwendige Höflichkeit an den Tag zu legen. Der barmherzige Samariter hätte sich beim Anblick dieses von mir so genannten Massenvernichtungslagers vermutlich erschossen.
Das Geschlecht der Luxbacher hat allerdings die Hussiten, Napoleon, die Nazis und die schwarz-blaue Bundesregierung überlebt, also natürlich auch das österreichische Spitalswesen. Dennoch bin ich zum Linkshänder mutiert. Für kurze Zeit, wie gehofft wird.
Haben Sie sich schon einmal allein mit der linken Hand die Schuhbänder zugebunden? Eben. Essen und Anziehen werden ebenfalls zum Kunststück. Sie aber kommen so in den Genuss des ersten und hoffentlich einzigen Wochenberichtes, der ausschließlich mit der linken Hand geschrieben wurde. Mit links, von Herzen.
Ja ja, jetzt ist schon wieder Freitag. Wie doch die Zeit vergeht. Und sind Sie Linkshänder?


Überwiegend sonnig