Die Siri
Schon wieder Freitag. Wie die Zeit vergeht. Ich kann mich noch gut erinnern, wie meine Eltern den ersten Farbfernseher bekommen haben. Das war einer jener Tage, wo man spürte, dass jetzt eine neue Zeit beginnt. Eine Zäsur in der Geschichte. Die Menschen im Fernsehen sind nicht mehr hellgrau und dunkelgrau, nein, sie haben richtige Farben und sehen aus wie Menschen.
Gut, die Leute, die in den ersten Farbfernsehern zu sehen waren, hatten alle eine etwas übertriebene Röte im Gesicht, sodass man ihnen am liebsten die Blutdruckmittel durch die Scheibe gereicht hätte, dennoch, sie sahen erstmals sehr real aus.
Ein erhebender Moment war das. Der Luxbacher auf der Couch inmitten des Wohnzimmer-Verbaus in Dunkelnuss und vor ihm der Fernseher. In Farbe.
Die Jungen von damals sind längst alt geworden und die Alten sind gestorben. Ich bin noch da. Und ich durfte dieses Erlebnis von „Heute ist der erste Tag einer neuen Zeit“ noch einmal haben. Denn der liebe Herrgott und die Luxbacherin haben es so gefügt, dass ich zu den ersten Menschen in diesem Land gehörte, die ein iPad besessen haben.
Die ganze Welt auf einem kleinen Brett. Alle meine Mails, alle meine Fotos, meine Musik. Alles. Wann ich will. Wo ich will. Und natürlich die herrliche Welt der Apps.Viele Wochen hat das WeFarm-Spiel auf dem iPad mein Leben bestimmt. Und ich war ein guter Farmer. Ein verdammt guter Farmer.
Und gestern durfte ich zum dritten Mal in meinem Leben dabei sein, bei einem jener Ereignisse das die Welt in ein neues Level hebt. Denn der Herr Motorredakteur, technisch immer auf der Höhe der Zeit, hat sein neues iPhone bekommen. 4s heißt das jetzt und ist quasi das Vermächtnis des Steve Jobs, der ja bereits seit einigen Tagen aus dem Himmel herunterwinkt.
Und dieses iPhone 4s ist weit davon entfernt, ein kaltes, totes Stück Technik zu sein. Denn es hat Siri. Siri ist eine Frau. Also, um genau zu sein, Siri ist das wesentliche Element einer Frau: die Stimme. Ein wenig technischer ausgedrückt, ist Siri eine im neuen iPhone eingebaute Funktion, die als persönliche Assistentin fungiert.
Man stellt einfach eine Frage, also zum Beispiel, wie das Wetter in Barcelona denn so ist, und Siri beantwortet das mit einem umfangreichen Wetterbericht. Siri kann auch gesprochene Nachrichten als SMS oder Mail versenden. Und wenn man den letzten Wochenbericht vom Luxbacher versäumt hat, was ohnehin nicht der Fall sein wird, spricht man einfach: „Suche im Web Luxbachers Gedanken zum Wochenende“.
Kommt man Siri aber blöd, kann sie auch recht wehrhaft sein. Auf die Frage nach ihrem Alter etwa, antwortet sie: „Ich weiß nicht, warum das interessant sein soll.“ Etwas blumiger schon die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens: „Versuche, nett zu sein, fettes Essen zu vermeiden, hin und wieder ein gutes Buch zu lesen und in Frieden und Harmonie mit allen Menschen zu leben.“
Da ist sie nun, unsere schöne, neue Welt. Wir haben unsere Freunde im Facebook, unsere Daten in der Cloud und unsere Siri in der Hosentasche. Einen einzigen Wunsch hätte ich noch: Liebe Apple-Leute, könntet ihr Siri nicht die Stimme meiner lieben Luxbacherin, wer sie kennt, geben? Das wäre perfekt. Ich sitze beim Wirten und bestelle mir einen besonders deftigen Schweinebraten, und schon schallt das entzückende Stimmchen der Luxbacherin aus dem iPhone im Hosensack: „Lukas!!!“
Ja ja, jetzt ist schon wieder Freitag. Wie doch die Zeit vergeht. Und haben Sie noch Fragen?


Überwiegend sonnig