Die Formwandler
Schon wieder Freitag. Wie die Zeit vergeht. Das Leben ist ja voller Überraschungen. Beispielsweise ist es in dieser Woche einer bekannten österreichischen Tageszeitung gelungen, auf einer Doppelseite über ein Konzert zu berichten, das gar nicht stattfand.
Die K.-Zeitung, für die selbstverständlich die Unschuldsvermutung gilt, wollte nämlich besonders schlau sein und hat sicherheitshalber einmal mit ein wenig Archivmaterial einen tollen Bericht über George Michael gemacht, wie er in der Wiener Stadthalle auftritt. Nur ist der gute Mann, angeblich wegen Lungenentzündung, gar nicht gekommen. Man kann auch zu schlau sein.
Es gibt da aber auch die kleinen Überraschungen des Alltages. Beispielsweise bin ich am Mittwoch draufgekommen, dass diesen Sonntag bereits der erste, so genannte Adventsonntag ist. Weit und breit kein Schnee. Weit und breit kein Dezember. Dennoch Advent.
Da bin ich gleich in ein Gartencenter gefahren, um Tannenzweige zur Dekoration des Luchbacher'schen Anwesens zu besorgen. Und da die nächste Überraschung. Gezählte drei Tannenzweige kosten zwei Euro und neunundneunzig Cent. Da ist zwar ein grünes Gummiband dabei, das die Zweige zusammenhält, dennoch könnte man bei böswilliger Betrachtung behaupten, dass drei Tannenzweige drei Euro kosten.
Jetzt rechnen Sie das einmal hoch. Da kommen Sie bei einem Hektar Nadelwald auf gut und gerne eine Milliarde. Unglaublich.
Die größten Überraschungen haben mir in dieser Woche allerdings die Radfahrer beschert. Ich habe ja nie verstanden, warum wir über einen Hundeführerschein diskutieren, solange jeder Esel mit dem Rad fahren darf. Warum sollen die Dackel und die Bernhardiner in die Fahrschule gehen und die Radfahrer weiterhin lustig und unwissend durch die Gegend taumeln?
Es gibt ja verschiedene Sorten von Radfahrern. Kein Problem bedeuten mir die Rennfahrer. Die fetzen halt irgendwo in gebückter Haltung dahin und stören mich nicht weiter. Dass mich die so genannten Mountainbike-Fahrer nicht stören, liegt wohl insbesondere daran, dass ich kein Förster bin und mich daher die ruinierten Forstwege entsprechend weniger aufregen.
Gewaltig stören mich aber die Radler, die sich als Formwandler in der Stadt bewegen. Zeigt die Ampel für die Straße grün, sind sie ordentliche Verkehrsteilnehmer der Straße, wird sie rot, zweigen sie auf den Zebrastreifen ab, queren getarnt als Fußgänger die Straße und fahren auf dem Gehsteig weiter. Einbahnen werden in jede Richtung befahren, ob man im Vorbeischlängeln seitlich Autos zerkratzt, ist egal, und Handzeichen sind scheinbar nur was für Kinder.
Und die schlimmste Sorte der Chaos-Radler sind diese pseudointellektuellen Radler, stets mit Rucksack und bekleidet mit den abgelegten Klamotten der Kelly-Familie.
Ein ebensolcher fuhr diesen Mittwoch provokant langsam und in Schlangenlinien vor dem Luxbacher dahin. Überholen unmöglich. Der Luxbacher hupt. Der pseudointellektuelle Radler schaut provokant zurück und wird langsamer. Sein Blick sagt: Du Kapitalistenschwein hast ein fettes Auto und ich ein total urnachhaltiges Radl.
Showdown! Der Luxbacher hält an, stellt die Automatik auf Leerlauf und tritt voll auf das Gaspedal. Nun tun in meinem Auto zahlreiche Zylinder Dienst und es entwickelte sich durch dieses Manöver ein Höllenlärm. Da war er überrascht, der Herr Radler. Und vermutlich ist ihm auch die eine oder andere Substanz in die Hose gegangen.
Vergesst den Hundeführerschein und schickt die pseudointellektuellen Radler zum Verkehrspsychologen!
Ja ja, jetzt ist schon wieder Freitag. Wie doch die Zeit vergeht. Schon alle Weihnachtsgeschenke zusammen?


Überwiegend sonnig