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Luxbacher

Das Ende

Schon wieder Freitag. Wie die Zeit vergeht. Und Zeit ist kostbar. Heuer haben uns die Medien ja, nett wie sie sind, bereits zu Jahresbeginn darüber informiert, dass wir uns vermutlich in unser letztes Jahr begeben. Und das war jetzt nicht auf individuelle Befindlichkeiten wie etwa die Cholesterinwerte des Herrn Luxbacher bezogen, nein, es sollte uns, wie berichtet wurde, allesamt an den Kragen gehen. Denn die Maya, wer sie kennt, ein Indianervolk das in seiner Wesentlichkeit längst ausgestorben ist, haben seinerzeit einen Kalender gemacht und eben dieser endet, weil halt alles ein Ende hat, in diesem Jahr.

Die Nachricht hat sich allerdings nicht wirklich lange halten können. Denn dort und da gibt es ja noch ein paar versprengte Nachfahren der Maya und die haben berichtet, dass die alten Maya einfach nur faul waren und den Kalender halt einfach nur für eine gewisse Zeit gemacht haben. Die werden sich später, haben die alten Maya gedacht, ja wohl wieder einen neuen Kalender machen können. Und das ist ja durchaus glaubwürdig.

Denken Sie nur an die Kalender in Form einen A4-Blattes, die von den Rauchfangkehrern gegen Ende jedes Jahres und in der damit verbundenen Hoffnung auf eine kleine Zuwendung verteilt werden. Die sind ja auch nur für ein einziges Jahr gemacht. Und keiner glaubt an einen Weltuntergang, nur weil der Rauchfangkehrer-Kalender ausläuft.

Die Welt wird also nicht untergehen. Dennoch, die Welt, wie wir sie gekannt haben, hat sich von uns verabschiedet. Vor ein paar Wochen. In Berlin.

Ich bin ein Kind des kalten Krieges. Da wusste man, woran man ist. Auf der einen Seite die Amis auf der anderen Seite die Russen. Und dazwischen haben wir durchaus attraktive Geschäfte gemacht, klein und neutral, wie wir waren. Heute ist alles gleich und – soweit es Europa betrifft – auch gleich pleite.

Dort und da haben sich aber noch einzelne Denkmäler dieser alten Welt, die ich auch gerne die meine nenne, erhalten. Zumindest bis vor einigen Wochen.

Wenn man in den letzten Jahren durch Berlin Mitte ging, also etwa den Prachtboulevard „Unter den Linden“ entlang, fiel einem primär auf, dass sich die so genannte Bundesrepublik Deutschland seit der dort so genannten „Wende“ höchst erfolgreich bemüht hat, alle Erinnerungen an die ehedem so genannte Deutsche Demokratische Republik verschwinden zu lassen. Denn mit der Erinnerung an die DDR hätte man auch über die Gründe nachdenken müssen. Und da auf wundersame Weise, in Folge auch des Wirtschaftswunders nach dem Krieg, alle Nazis aus Deutschland verschwunden waren, wollte da niemand mehr zurück denken.

So hat man halt die DDR mit Wirtschaftsembargos so lange isoliert, bis man sie für gescheitert erklären und gütig mit der BRD vereinen konnte. Auf die blühenden Wiesen, die der Herr Kohl, wer sich an den kastenförmigen Bundeskanzler unserer deutschen Schwestern und Brüder noch erinnern kann, versprochen hat, warten die Ossis immer noch.

Eines fiel aber noch vor ein paar Monaten unter den Linden immer noch auf. Die höchst überdimensionale Botschaft der Russischen Föderation, wie das, was von der UdSSR über geblieben ist, heute heißt. Dort hing also wohl der Hammer in der DDR. Das macht allein schon das Gebäude klar.

Die höchste Macht aber ging damals in der DDR von jenem Bürogebäude aus, das unmittelbar an die russische Botschaft angebaut ist. So wurde zumindest von Kennern gemunkelt.

Außen war es ja als „Aeroflot“, also als Geschäftsstelle einer russischen Fluglinie deklariert. Drinnen befand sich allerdings der KGB.

Die Schreibtische in den Schaufensterräumen waren zu DDRZeiten leer und sie waren es auch vor einem halben Jahr. Vor ein paar Wochen aber wurde der Schriftzug „Aeroflot“ abgenommen. Das Ende. Das Ende meiner einfachen Welt. Und wenn ich in die Zeitung schaue, will über die neue Welt keine rechte Freude aufkommen.

Ja ja, jetzt ist schon wieder Freitag. Wie doch die Zeit vergeht. Und freuen Sie sich schon auf Kroatien in der EU?

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