Holländischer Sommer
Schon wieder Freitag. Wie die Zeit vergeht. Schön langsam, so scheint es, ist der Sommer wieder rum. Und schuld sind natürlich wieder die Leute beim Friseur.
Sie kennen das ja. Da gibt es im Frühling und im so genannten Frühsommer ja immer schon ein paar sonnige, heiße Tage. Und dann jammern die Leute beim Friseur über diese wahnsinnige Hitze. Na bitte, jetzt ist es doch wirklich angenehm kühl.
Unser geliebtes Staatsfernsehen hat sich heuer auch bereits im Mai und Juni über diese extreme, praktisch seit mindestens zwei oder drei oder vier Jahren nicht da gewesene Trockenheit beschwert. Bitteschön, feucht ist es jetzt ja wohl auch.
Bei mir sind diese Woche ja auch Erinnerungen an das Programm unseres Staatsfernsehens von früher wach geworden. Erinnern Sie sich noch an den Herrn Rudi Carell? Das war quasi der erste damals so genannte Showmaster im deutschen Fernsehen mit damals noch nicht so genanntem Migrationshintergrund. Ein Holländer. Und trotz der Tatsache, dass er das eine oder andere Jahrzehnt im deutschen Fernsehen und damit auch in unserem Staatsfernsehen verbracht hatte, weil wir damals ja ganz gierig auf Eurovision waren, ließ sich das sprachlich auch nie verbergen.
Und eben dieser Herr Carell hat in den frühen Achtzigern ein Lied gesungen, in dem er sich fragte, wann es wohl wieder einmal richtig Sommer würde. Die gute alte deutsche Eurovision ist eben immer aktuell.
Ich selbst bin derzeit ja, in Begleitung der Luxbacherin, wer sie kennt, an einem der Witterung höchst angepassten Urlaubsort. Weil man aber nie weiß, wie das mit den Wirtschaftskrisen, Währungskrisen, Griechenlandkrisen und all dem ganzen Krisenzeug weiter geht, schreibe ich natürlich auch im so genannten Urlaub meine Berichte weiter. Weil ich lass mir sicher nicht nachsagen, dass ich eine griechische Arbeitseinstellung hätte und vielleicht gar den Cent nicht ehre und damit den langsam verfallenden Euro eventuell gar nicht wert wäre. Jeder Cent, von den Millionen, die mir diese Wochenberichte einbringen, ist hart erarbeitet.
Und so schreibe ich meine Wochenberichte eben auch aus dem Urlaub. Diesmal zum Beispiel vom Ende der Welt. Roger Willemsen hat ja vor ein paar Jahren ein Buch über die verschiedenen, teils recht kuriosen Enden der Welt geschrieben. Einen Ort, das definitive Ende aller Enden der Welt, hat er aber vergessen. Guglwald.
Ja, die Luxbacherin und ich haben uns heuer für eine besonders exotische Urlaubsdestination entschieden. Guglwald liegt im oberösterreichischen Mühlviertel, ganz oben, im so genannten Böhmerwald, direkt an jener Grenze, wo bis vor einigen Jahrzehnten der allgemein so genannte eiserne Vorhang die tschechische Bevölkerung vor den österreichischen, deutschen und holländischen Touristen geschützt hat. Heute allerdings können diese Menschen aus dem von ihnen selbst so genannten Westen, wenn sie den verschiedenen Badespäßen und dem Herumsitzen im Hotelbademantel in den seit einigen Jahren so genannten Wellnessbereichen überdrüssig geworden sind, ungehindert über die Landbevölkerung Böhmens herfallen und sich darüber beschweren, dass auch in Tschechien jetzt das Essen schon mehr als die Hälfte der von ihnen gewohnten West-Preise kostet.
Ich kann ja diesem Wellness-Blödsinn nichts anfangen. Mir reicht das Ende der Welt pur. Der Blick aus dem Fenster, hinein in das Nichts von Milliarden von böhmischen Fichten. Wunderbar. Und dazu das holländische Rudi-Carell-Regenwetter. Perfekt. Die böhmischen Fichten werden das Ende der Welt noch markieren, wenn die Bademäntel-Menschen nebst ihren Wellness-Zentren schon lange verschwunden sind. Ein Trost.
Ja ja, jetzt ist schon wieder Freitag. Wie doch die Zeit vergeht. Und waren Sie schon einmal in Guglwald?


Überwiegend sonnig