Das Thema
Schon wieder Freitag. Wie die Zeit vergeht. So eine Woche ist ja schnell rum. Das merkt einer wie ich ganz besonders. Wenn du quasi für eine einzige halbe Seite pro Woche in einer Zeitung lebst, dann wird dir so richtig klar, wie die Wochen vergehen.
Ich will Sie jetzt nicht irgendwie anjammern, Sie haben einen Euro für die Zeitung bezahlt und da muss ich natürlich schon ein wenig nachdenken, dennoch ist es oft gar nicht leicht, innerhalb einer kurzen Woche tatsächlich ein Thema für einen satirischen Wochenbericht zu finden. Es soll interessant sein. Es soll hintergründig sein. Es soll vor Satire strotzen. Es soll zum Schmunzeln sein. Das ist Knochenarbeit.
Die meisten Menschen, die vom Schreiben leben, kennen ja dieses Drama des ersten Satzes. Es gibt ja wirklich solche Trottel von Schriftstellern, die glauben, dass der Erfolg eines Buches vom ersten Satz abhängt. Und dann sitzen die da und trinken zwölf Flaschen Wein, rauchen zweihundert Zigaretten und schreiben dann so etwas wie „Es war ein warmer Herbsttag“. Und dann glauben die offenbar, dass jetzt tausende Leser da sitzen und über diesen Satz „Es war ein warmer Herbsttag“ sinnieren und sich in den Herbst, in die Wärme und in den Tag hinein versetzten.
Es gibt unter all den Schreibern eigentlich nur zwei, denen das von Anfang an zu blöd war, die sich dieser Dummheit entzogen haben und die daher immer gleich anfangen. Der Wolf Haas, der berühmteste Schriftsteller aus Maria Alm, lässt seine Brenner-Romane allesamt mit „Jetzt ist schon wieder was passiert“ anfangen und den Einleitungssatz vom Herrn Luxbacher, wer ihn kennt, kennen Sie, wenn Sie ihn kennen, auch.
Schon wieder Freitag. Das klingt aber wesentlich einfacher, als es ist. Die Tageszeitungsmacherei ist ja eine Wissenschaft für sich. Alles, was Sie am Freitag lesen, muss irgendwer am Donnerstag schreiben. In der Nacht muss es irgendwer drucken und noch bevor die Sonne aufgeht, muss irgendwer die Zeitungen zustellen.
Und weil die Herrschaften in der Redaktion am Donnerstag ohnehin vollauf damit beschäftigt sind, sich um die aktuellen Entwicklungen der Welt für die Freitag-Ausgabe zu kümmern, sagen die natürlich, zumindest der Luxbacher, das faule Stück, ja so was sagen die, soll seine halbe Seite spätestens am Donnerstag um zehn abgegeben haben.
Jetzt könnte ich mich natürlich am Donnerstag um neun hinsetzen und was schreiben. Könnte. Kann ich aber nicht. Ich kann weder um neun noch um zehn schreiben. Ich kann nur abends schreiben. Besser nachts. Am besten ganz spät in der Nacht, mit der letzten Kraft unter Einsatz des letzten Funkens Energie und unter den Eindrücken eines möglichst vollständigen Tages.
Das klingt hart. Ist es auch. Und so sitze ich Woche für Woche in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag vor dem Computer und warte darauf, dass plötzlich irgendein Titel auf der leeren Seite steht.
Was könnte das diese Woche sein? Ich könnte berichten, dass ich am Wochenende beim Versuch gescheitert bin, mit meinem Mercedes SL einen BMW wegzuschieben. Das interessiert aber naturgemäß mit Ausnahme der Jungs bei Mercedes Pappas, die jetzt das rechte vordere Fünftel meines Autos neu machen dürfen, keinen Menschen. Nach dem ersten Schock mich auch nicht. Die Cabrio-Saison ist eh vorbei, ich hab keinen Kratzer und die Jungs bei Pappas haben versprochen, dass mein SL wieder superschön wird.
Dass für unsere Politiker, soweit sie nicht ohnehin schon rechtskräftig verurteilt sind, die Unschuldsvermutung gilt, können Sie auch in der Krone zwischen den Regierungsinseraten lesen. Es ist schwer.
Ja ja, jetzt ist schon wieder Freitag. Wie doch die Zeit vergeht. Und was würden Sie so schreiben?


Überwiegend sonnig