design by atikon.com - Werbeagentur Linz, Österreich
Höhepunkt der Kältewelle
Am Vormittag zeitweise sonnig. Am Nachmittag breiten sich Wolken und leichter Schneefall allmählich auf den Großteil Salzburgs aus.
Temperaturen: -25 bis -9 Grad
 

Luxbacher

Der Ablasshandel

Schon wieder Freitag. Wie die Zeit vergeht. So lange haben wir darauf gewartet. Und jetzt ist es so weit. Er ist da. Der Papst in Österreich. Das ist doch was. Der große Mann aus Rom besucht das kleine Österreich. So was freut uns natürlich. Jetzt sind einmal wir Papst. Zumindest für ein paar Tage. Es sind ja nicht immer alle ganz seiner Meinung, wenn es um die Haltung der Kirche zum Sex und zu solchen Themen geht. Aber wenn er dann da ist, freuen sich ja doch alle.

Solche Großveranstaltungen haben eben eine gewisse mitreißende Dynamik. Da ist es dann im Endeffekt egal, ob es die Rolling Stones sind oder der Herr Ratzinger aus Rom. Es ist eben ein erhebendes Gefühl, da dabei zu sein. Man hat den Eindruck, etwas Besonderes mit zu erleben.Man ist dabei. Teil von etwas Großem. Und dann noch die Sprechchöre und die Fahnen und alles. Wahnsinn. Und natürlich tun da auch die Medien viel dazu. Wenn ein Besuch in den Medien monatelang angekündigt wird, dann ist das eben besonders. Besonders wichtig. Besonders toll. Papst in Österreich. Ein Spektakel. Halleluja.

Die Medien haben ja eine unglaubliche Macht. Nehmen Sie zum Beispiel den wöchentlichen Bericht vom Luxbacher in der SVZ. Da habe ich einmal, wirklich nur einmal, über die Reform des Staatsfernsehens geschrieben. Und da ist es auch um diese wunderbare Sendung „Extrazimmer“ gegangen. Nicht einmal richtig kritisiert habe ich die Sendung. Also ja, es war kein Jubelbericht. Aber sehr objektiv. Es ist mir damals nur aufgefallen, dass mir da nicht viel aufgefallen ist. Irgendwas hat da gefehlt. Und wenn ich heute, mit etwas Abstand, nochmals drüber nachdenke, dann glaube ich, es war der Sinn, der gefehlt hat. Es handelte sich also sozusagen um Unsinn.

Und obwohl ich das damals gar nicht so direkt geschrieben habe, Sie kennen ja eh meine feinfühlige Art, hat das der Herr Chef vom Staatsfernsehen gleich selber herausgefunden, und schon ist die Sendung weg. Also die Hälfte der Reform des Staatsfernsehens wurde wieder weg reformiert. Die zweite Hälfte, die wenig bekannte und noch weniger beliebte Sendung „Mitten im A..“ wurde ja bereits vor einigen Wochen abgesetzt. Somit hat sich die Schrift des Luxbacher erfüllt, und die Reform des Staatsfernsehens hätten wir damit auch wieder gut erledigt. Und wir sind wieder da, wo wir vorher waren. Das ist eben die Macht der Medien. Sie glauben ja gar nicht, wie man da aufpassen muss.

Also nicht, dass ich da jetzt gedankenlos über den Papstbesuch einen Blödsinn schreibe und die Leute treten reihenweise aus der Kirche aus und dann gibt es dort ein gewaltiges Debakel und so. Nein. Papstbesuch ist super. Also ok, der letzte Papst hatte da ein wenig mehr Talent für solche Veranstaltungen. Aber der war vorher ja auch einmal Schauspieler. Und, ganz ehrlich, die Rolling Stones sind auch nimmer die Jüngsten.

Ich schreibe überhaupt lieber was Anderes. Etwa darüber, dass unser verehrter Herr Umweltminister, der Herr Pröll wer ihn kennt, kürzlich gesagt hat, dass es nicht so schlimm ist, wenn Österreich die CO2- Grenzen nicht ganz einhalten kann. Weil so ein wenig mehr Dreck in der Luft kann man mit so genannten CO2-Zertifikaten erledigen. Da zahlt man Geld. Und das wird dann in der allseits so genannten dritten Welt für Umweltprojekte verwendet. Da zeigen also die Länder, die das mit der Umwelt nicht geschafft haben, in Projekten den Ländern in der dritten Welt, wie das geht mit der Umwelt. Und dafür dürfen Sie dann ein wenig mehr Dreck machen. Sie zahlen ja eh. Eine Art Ablasshandel sozusagen, wie es ihn für andere Sünden ja schon einmal gab. Womit wir wieder beim Papst wären.

Ja ja, jetzt ist schon wieder Freitag. Wie doch die Zeit vergeht. Und trägt der Papst wirklich Prada-Schuhe?

Ein Unternehmen der Aistleitner-Holding
SVZ.AT als Startseite festlegen Zurück Drucken
Salzburger Volkszeitung, Schrannengasse 6, 5020 Salzburg
Tel: +43(0)662/879491, Fax: +43(0)662/87949113, Mail: