Wir waren Papst
Schon wieder Freitag. Wie die Zeit vergeht. Egal, was an diesem Wochenende auch tolles passieren wird, es wird halt nicht mehr ganz so sein wie letztes Wochenende. Weil da waren einmal wir Papst. Also fast halt. Ein wenig aus Bayern ausgeliehen sozusagen und ein wenig aus Rom, aber immerhin: Ein Wochenende Papst.
Sie kennen das eh sicher aus Ihrer Firma auch. Da gibt es den Chef. Und der Chef hat einen Stellvertreter. Und es ist aber nicht unbedingt so, dass es der Chef seinem Stellvertreter besonders leicht macht. Im Gegenteil. Wenn es sich ergibt, dann legt er ihm die eine oder andere Hürde auf den Karriereweg. Natürlich macht er das nicht, um ihn zu ärgern. Nein, das dient der Abhärtung für die hohen Aufgaben, für die er bestimmt ist. So ähnlich ist das auch mit dem Petrus und dem Papst. Der liebe Petrus, der ja im Himmel so eine Art Haushofmeister ist und damit auch für das Wetter auf der Erde zuständig, hat es seinem Stellvertreter auf seinem irdischen, römischen Stuhl nicht ganz leicht gemacht. So viele Schusterbuben gibt es heute auf der ganzen Welt nimmer, wie es da in diesen Tagen geregnet hat. Aber der jugendliche Achtziger aus Rom hat sich da nichts anhaben lassen. Ein wenig heiser, das ja, aber fest in der Sache. Am Sonntag wird nix gearbeitet, und das mit den Abtreibungen soll auch nicht ausarten. Das ist so und das bleibt so, ob es regnet oder nicht.
Da haben natürlich alle gleich wieder alles mögliche hineininterpretiert. Hat er jetzt gar gemeint, dass die in Österreich per Gesetz geltende Abtreibungsregelung mit dem hübschen Namen Fristenlösung abgeschafft gehört? Mischt sich der vatikanische Staatschef in die Angelegenheiten der österreichischen Regierung? „Alles ein Blödsinn“, haben da die Kirchenoberen gleich abgewachelt. Ganz im Gegenteil, der Papst hält das für gut, dass man grundsätzlich nicht abtreiben darf, aber unter Umständen halt schon.
Im Fernsehen hat sich dann noch einer mit einem furchtbar scheußlichen Sakko aufgepudelt über den Papstbesuch. Der war von dieser segensreichen Gemeinschaft „Wir sind Kirche“. Warum die glauben, dass sie eine Kirche sind, weiß ich nicht. Vielleicht weil sie so farblos sind wie manche alte Kirchenmauer. Ein wenig fahl. Der Papst hätte mit ihnen diskutieren müssen, hat der mit dem grausligen Sakko im Fernsehen gemeint. Der von „Wir sind Kirche“.
Bei diesen Menschen ist das so: Die wollen nämlich so lange diskutieren, bis dann endlich einer sagt, sie haben recht. Und das wäre dann wieder falsch, weil dann haben sie ja gar keine Existenzberechtigung mehr. Ein roter Autobus ist halt rot. Da kann man noch so oft um den Bus herum gehen. Und noch so oft gegen den Reifen pinkeln. Ein roter Bus ist rot. Und wenn die Kirche eben eine göttliche Wahrheit predigt, dann kann man jetzt schwer hergehen und sagen, dass das doch eh ein wenig anders ist, moderner halt. Also kein roter Bus. Eher mehr orange. Fast schon gelb. Das geht nicht. Man kann sich die Wahrheit nicht mit Unterschriftslisten herzaubern. Das hat der Abt vom Stift Heiligenkreuz dem Mann mit dem C&ASakko zu erklären versucht. Viel höflicher als der Luxbacher. Aber ich bin ja kein Abt. Der Papst ist wieder weg. Der Typ mit dem Sakko immer noch da. Naja.
Ja ja, jetzt ist schon wieder Freitag. Wie doch die Zeit vergeht. Und wissen Sie, warum diese armen Schweine von Pilgern beim Papstbesuch keine Regenschirme nehmen durften?


Höhepunkt der Kältewelle