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Luxbacher

Sprudel im Wandel

Schon wieder Freitag. Wie doch die Zeit vergeht. Wenn man so auf der Autobahn dahin fährt, hat man ja viel Zeit. Und da habe ich mir jetzt einmal so in aller Ruhe die Windschutzscheibe meines Autos angeschaut. Also man schaut ja Jahr und Tag durch sie durch, aber wer schaut sie schon mal richtig an. Das hab ich eben jedenfalls getan, und da ist mir aufgefallen, was da so alles draufklebt. Nicht weil ich das will. Nein, weil man das alles draufkleben muss. Da ist ganz links, also wenn man drinsitzt und der Fahrer ist und so durchschaut halt, ein Aufkleber von einer Parkgarage in der ich einen Parkplatz habe, dann mittig das bekannte und beliebte Autobahnpickerl. Das mit diesen hundertprozentigen Preissteigerungen, Sie wissen eh. Dann ist da noch ein Pickerl von einer Parkgarage in der ich oft stehe. Dann noch das Presseschild für das Parken in der Freien Wildbahn, wobei das allerdings eh nur mehr in sehr dünn besiedelten Gebieten Eindruck schindet bei der Exekutive, und dort gibt es auch genug Parkplätze. Und dann noch das Pickerl. Also das klassische Pickerl. Das Gesundheitszertifikat für das Auto sozusagen.

Also die Älteren unter uns werden sich ja noch an einen ganz besonders lustigen Aufkleber erinnern können. In Sachen Auto waren unsere Regierungen ja immer sehr erfinderisch, was Pickerl betrifft. Da gab es damals Aufkleber mit einem Wochentag. Also Mo, Di und so weiter. Und mit diesen Aufklebern hatte es folgende Bewandtnis: Am angegebenen Wochentag durfte man mit diesem Auto nicht fahren. Denn damals war der Sprudel ein wenig knapp geworden an den Tankstellen, und da dachte sich die Regierung, da sparen wir einfach ein wenig ein bei Benzin und Diesel. Sollen die Leute halt gehen, das ist gesund. Da war damals noch keine Rede von Klimaverschiebung und was weiß ich. Ich kann mich jetzt nimmer wirklich erinnern, was dann da heraus gekommen ist. Jedenfalls gab es dann wieder genug Benzin und Diesel und die Zweitwagen sind damals aufgekommen, weil dann konnte man mit zwei verschiedenen Wochentagspickerln jeden Tag fahren. Ja und jetzt verschiebt sich halt das Klima und die Leute in Holliwald fahren alle schon mit Hybrid und so.

Damals dachte man, es wird bald kein Öl mehr geben. Ölkrise. Etwas später dann sind die Grünen so langsam aufgekommen. Da haben dann die anderen Parteien gewarnt und gesagt: „Wer die Grünen wählt, wird dann halt über 15 Schilling für das Benzin zahlen.“

Schilling, wissen Sie, war früher mal die Währung in Österreich. Die Grünen sind dann eh nie wirklich an die Macht gekommen. Auch nicht jetzt, wo wir 1,20 für den Sprudel zahlen. Euro natürlich. Dabei wollten die Grünen, vor denen so gewarnt wurde, Benzin und Diesel ja nicht teuer machen, weil sie so böse sind. Nein, nur weil sie selber Rad fahren und es ihnen daher wurscht ist, und weil sie dachten, dass dann alle oder zumindest mehr Rad fahren und nicht Auto. Und jetzt, wo der Sprudel weit mehr kostet, als die damals gedroht haben, was ist jetzt? Also fehlt Ihnen irgend einer auf der Straße? Würden Sie bei 1,50 oder bei 2 oder bei 2,50 zu Hause bleiben? Oder mit dem Rad in die Arbeit fahren? Was ist, wenn das 40 Kilometer sind? Was machen Sie dann? Oder ist es nicht doch so, dass viele recht gut leben vom Ölpreis? Die Scheichs, die Spekulanten, die Ölfirmen und allen voran der Finanzminister. Denn der größte Teil des Benzin- und Dieselpreises sind ja doch immer noch Steuern.

Ja ja, jetzt ist schon wieder Freitag. Wie doch die Zeit vergeht. Und wo pickt man die Pickerl denn eigentlich am Fahrrad hin?

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