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Luxbacher

Der Herr Kaiser

Schon wieder Freitag. Wie die Zeit vergeht. In dieser Woche ist es in Wien ja zugegangen wie damals beim Wiener Kongress. Der König von Schweden hat ein wenig vorbei geschaut mit seiner Königin. Und dann auch noch gleich der König von Spanien. Weil der hat auch ein paar Kleinigkeiten zu erledigen gehabt. Der Herr Bundespräsident hat da natürlich einen wahnsinnigen Stress gehabt. So viele Könige in einer Woche hat man ja auch als Bundespräsident nicht immer, außer vielleicht beim Schachspielen.

Und so ganz nebenbei war auch noch der Kaiser da. Der von Österreich. Früher war der Kaiser ja fast immer da. Also wenn er nicht grad weg war. Aber seit wir keinen Kaiser mehr haben, ist er ganz selten da. Aber diese Woche war er da. Der Herr Kaiser. Also der Herr, der, wenn wir noch einen Kaiser hätten, Kaiser wäre. Weil wir aber keinen Kaiser haben, ist er seit Menschengedenken EU-Abgeordneter. Für Deutschland. Ein Legionär sozusagen. Längst wissen Sie natürlich, wer gemeint ist. Otto Habsburg, zu dem man ja wegen einiger gesetzlicher Vorschriften eigentlich nimmer Kaiser sagen darf. Bei uns heißt der jetzt Herr Habsburg und fertig.

Was allerdings auch praktischer ist, als die Anrede, die ihm im Falle des Fortbestandes der Österreich-Ungarischen Monarchie zugestanden wäre. Vom Kaiser von Österreich über den König von Ungarn bis hinunter zum gefürsteten Grafen, ja sowas gibt es, reichen da die über zwanzig Titel. Sogar ein König von Jerusalem ist dabei. Wobei stark zu bezweifeln ist, dass einerseits ein halbwegs vernünftiger Mensch König von Jerusalem sein will und andererseits vermutlich auch damals bei unserem letzten Kaiser, also dem der es noch wirklich war, Karl, wer sich erinnern kann, irgendwer in Jerusalem gewusst hat, dass der da König ist.

Interessant ist das schon, was die Zeit alles ändert. Da war diese Woche dieser alte Mann da, anlässlich seines fast hundertsten Geburtstages, ich denke, es war der 97. Ein Gast halt. Weniger beachtet als der König von Schweden oder der König von Spanien. Ja, noch weniger beachtet als dieser Kaiser, der neuerdings im Staatsfernsehen Hof halten darf. Der Herr Habsburg kommt, hält ein paar Vorträge, geht wieder, ein paar Zeitungsberichte, fertig.

Wäre die Geschichte ein wenig anders verlaufen, wäre er heute Kaiser von Österreich-Ungarn, würde eines der größten Länder Europas regieren, wäre er einer der Mächtigsten in dieser Welt, wäre er es gewesen, der den König von Schweden mit seiner Königin und den König von Spanien begrüßt hätte. In seiner Hofburg.

Es muss schon komisch sein, wenn man als Herr Habsburg in Auhof von der Autobahn herunter fährt und dann vorbei an Schönbrunn, wo man als Kind gelebt hat und wo jetzt die Japaner herumrennen. Oder vorbei geht an der Hofburg, wo man nicht einmal mehr Gast ist, geschweige denn Gastgeber. So als Herr Habsburg durch ein Wien zu gehen, in das man eigentlich als künftiger Kaiser geboren wurde, muss komisch sein. Als 97-jähriger Kaiser durch ein Land zu fahren, in dem man nie Kaiser sein durfte, ist eine Ironie des Schicksals. Otto Habsburg hat es mit Würde getragen und Österreich und Europa vielleicht mehr gedient. als es in der Hofburg möglich gewesen wäre.

Ja ja, jetzt ist schon wieder Freitag. Wie doch die Zeit vergeht. Und haben Sie schon über Weihnachtsgeschenke nachgedacht?

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