Der Volkswagen
Schon wieder Freitag. Wie die Zeit vergeht. Geht es Ihnen auch manchmal so, dass Sie wo sind und so schauen und dann denken, dass Sie da doch schon einmal waren? In diesem Raum oder in dieser Situation? Ein deja vu eben.
Mir ist es diese Woche am Dienstag so gegangen. Da hat mir der Herr Schneeberger, der ist bei uns in der Zeitung für den Motor zuständig, den Porsche 911 Turbo gegeben. Also nicht geschenkt. Nur geliehen. Also ich durfte, weil er sich gedacht hat, er tut dem Luxbacher auch einmal was Gutes, seinen Testporsche testen. Und überhaupt sieht das der Chef gerne, wenn die Leute gut zueinander sind. Überhaupt wenn sie dem Luxbacher eine Freude machen. Das mag der Chef.
Und da sitze ich in diesem Porsche 911 Turbo und plötzlich kommen Erinnerungen und es zieht quasi mein ganzes Leben an mir vorbei. Das erste Auto, mit dem ich gefahren bin, war ja ein VW Käfer. Und Käfer und Porsche haben ja gemeinsame Gene. Das lässt sich nicht verleugnen. Da merkt man den gemeinsamen Erfinder. Und wenn man sich das nachträglich in den Jahrzehnten hinein gebastelte Luxuszeug weg denkt, ist der Porsche eigentlich ein Käfer. Irgendwie.
Und dann das nächste Erlebnis. Da ist doch in diesem 175.000- Euro-Ding tatsächlich der Blinkerhebel aus meinem Einser- Golf-Cabrio. Sie wissen schon, so eines wie damals die Frau Ewing senior gefahren ist in der Dallas-Serie. Natürlich in Weiß. Man wollte ja dazu gehören.
Klappe. Nächstes deja vu. Das Autoradio, mit Knopferl zum Drehen. So eines hatte ich auch schon einmal. In meinem Ford Fiesta selig. Das hab ich damals beim Forstinger gekauft und selbst eingebaut. Es war das erste und gleichzeitig einzige Mal, dass ich mich handwerklichen Dingen verschrieben habe, und das unglaubliche Wunder dabei war: Es hat funktioniert. Freilich musste man nach jeder fünften Kurve ein wenig nachjustieren bei den Drehknopferln, aber das tat man gerne.
So ein Porsche ist eine tolle Sache. Da merkt man, wie wenig Auto man eigentlich braucht. Klingt jetzt blöd wegen dieser 175.000-Euro-Hürde, aber tatsächlich gibt es keine spartanischere Form der Fortbewegung. Porsche, das ist Motor, mit 480 PS allerdings reichlich, und sonst nix. Eigentlich die logische Folge vom Käfer meiner Jugend.
Sollte das jetzt etwa die Erfahrung meines Lebens sein? Dass man in späten Jahren mit 175.000 Euro mühsam das zurückkaufen muss, was man mit 18 in Blau mit Kunstledersitzen schon hatte? Also ein Auto mit Kofferraum, in den man genau nix rein bekommt und der sich sowohl im Käfer als auch im Porsche vorn befindet. Ein Auto, das in jedem einzelnen Detail so unpraktisch ist, wie man sich das nur denken kann. Ein Auto aber, mit dem man überall hinkommt. Es fährt und fährt und fährt….. Und da kommen dann an der Tankstelle, die man wegen des Minitanks häufig aufsucht, wieder die Gedanken: Was wäre, wenn man jetzt einfach weiter fährt, weiter und weiter und weiter. Ganz weit weg. Ein neues Land. Ein neues Leben. Alles geht. Alles möglich. Ein schöner Gedanke. Und dann findest du bei diesem Porsche nix, wo du beim Tanken den Verschluss hin hängen kannst. Das hat heute jeder Koreaner. Und du fährst weiter, genießt die neidischen Blicke der Leute und wunderst dich, wie lange man doch leben muss für die Erkenntnis, wie wenig man braucht für ein glückliches Leben. Einen Porsche oder einen Käfer und dieses Gefühl beim Tanken. Alles geht.
Ja ja, jetzt ist schon wieder Freitag. Wie doch die Zeit vergeht. Und was genau ist eigentlich ein Turboloch?


Höhepunkt der Kältewelle