Such den Star
Schon wieder Freitag. Wie die Zeit vergeht. Übermorgen ist auch schon wieder Sonntag. Ein Wahnsinn. Also nicht der Sonntag. Der kommt ja sehr häufig nach dem Samstag. Nein, die Tatsache, dass gerade an diesem Sonntag das Geburtstagsfest von meinem Onkel Karl ist. Der wird nämlich 75.
Diese Tatsache wäre auch noch nicht so besonders. Er war halt einfach bisher 74. Nein, das wirkliche Problem an der Sache ist, dass natürlich keiner weiß, was man dem Onkel Karl schenken soll. Weil ehrlich gesagt ist es ja auch nicht so, dass man sich Jahr und Tag mit dem Onkel Karl und seinen Wünschen und Vorlieben beschäftigt. Und dann hat der plötzlich wie aus dem Nichts seinen Fünfundsiebziger und lädt groß ein. Und da haben wir jetzt den Salat.
Und dann ruft man einen nach dem anderen aus der Familie an. Und das hilft genau gar nicht. Weil die wissen auch nicht, was sie schenken sollen. Und wenn einer was weiß, hilft es erst recht nicht. Weil dann weiß man einzig, was man dem Onkel Karl auf gar keinen Fall schenken kann, weil er das ja ohnehin schon bekommt. Aber immerhin hab ich herausgekitzelt, dass der Onkel Karl eine Vorliebe für Pferde hat. Gut, ok, dafür hätte ich nicht telefonieren müssen, weil das weiß ich schon, seit dem ich den Onkel Karl kenne. Also seit immer. Aber, immerhin, Geistesblitz! Der Onkel Karl bekommt ein Pferdebuch. Bildband. Da kann nix passieren. Aber bitte verraten Sie mich nicht, wenn Sie zufällig den Onkel Karl sehen. Also zumindest nicht vor Sonntag.
Am Sonntag ist der Onkel Karl natürlich der Star. Zumindest in der Familie. Heute will ja jeder ein Star sein. Überall werden sie gesucht. Deutschland sucht gar den Superstar. Immer und immer wieder. Wahrscheinlich sind sie nie so ganz zufrieden mit den Superstars, die sie schon gefunden haben in Germanien. In unserem österreichischen Staatsfernsehen haben wir auch schon allerhand Stars gesucht. Zuerst in Starmania zweimal den Singvogel der Nation. Und jetzt suchen wir permanent den Dancingstar und dazwischen haben wir auch noch einen philippinisch-österreichischen Musicalstar bekommen. Danke, liebes Staatsfernsehen.
Nur mit diesen Stars aus den allseits so genannten Casting- Shows ist es ein wenig so wie mit dem Fisch aus der Dose. Es ist Fisch. Ja. Bestimmt. Also ziemlich sicher. Es steht auf jeden Fall auf der Dose drauf. Aber so richtig nach Fisch schmecken will das zusammen gepappte Zeug dann doch nicht. Vom Aussehen ganz zu schweigen. Also die Vorstellung, dass der Inhalt dieser Dose einmal geschwommen ist, stolz und elegant, ist eher schwer. Und so ist es auch bei den vom Staatsfernsehen gekürten Stars. Können Sie sich zum Beispiel noch an den Herrn Tschuggsknall oder so ähnlich erinnern? Der wurde bei Starmania zum prächtigsten aller Singstars gekürt. Aber genau diese Minute, wo der gewonnen hat, war die einzige in seinem Leben, wo er sich vielleicht selber als Star gefühlt hat. Seither ist der in einem Mauseloch verschwunden. Und man weiß nicht einmal mehr, wo das Mauseloch ist. Hingegen das Fräulein Christina Stürmer, das damals jämmerlich verloren hat bei der Starmaschinerie, das hören wir täglich aus dem Staatsradio trällern. Und die gute Christl wirbt für Nudeln und Handys und kassiert Millionen. Und das, obwohl das Staatsfernsehen und die Zuschauer-Abstimmung eigentlich den Herrn Tschuggsknall zum Star machen wollten. Und drum muss man da auch bei den Wahlen immer aufpassen, nicht dass da einmal so ein Tschuggsknall Bundeskanzler wird. Oder ist das eh schon passiert?
Ja ja, jetzt ist schon wieder Freitag. Wie doch die Zeit vergeht. Und was schenken Sie eigentlich dem Onkel Karl?


Höhepunkt der Kältewelle