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Luxbacher

Hose über Kopf

Schon wieder Freitag. Wie die Zeit vergeht. Sogar der Fasching ist jetzt vorbei. Schluss mit Lustig. Der Ernst des Lebens hat uns wieder. Die Fastenzeit wäre jetzt angesagt. Und da versuchen jetzt wieder viele, ihren Winterspeck wieder weg zu bekommen.

Eigentlich hatte die Fastenzeit ja einmal einen ganz anderen Hintergrund. Aber die Zeiten ändern sich, und heute hat der Begriff Fasten eben eher mit Gesundheit, Schlankheit und Schönheit zu tun. Das Spirituelle ist uns ein wenig abhanden gekommen. Weil es überhaupt ein wenig schwer geworden ist, in sich hinein zu hören. Es ist laut geworden. Es ist überall laut.

Eigentlich würde sich so eine Zeit wie die Fastenzeit ja sehr eignen zum Nachdenken. Obwohl natürlich in unserer globalen Welt alles relativ ist. Sogar der letzte Satz. Weil global war die Welt ja immer. Nein, aber es ist schon lustig, wie sich in einer Welt, wo man in ein paar Stunden heute überall ist, alles überschneidet. Während bei uns die Fastenzeit beginnt, feiern die Chinesen das Frühlingsfest und das neue Jahr. Das Jahr der Ratte übrigens, wenn es Sie interessiert.

Wo wir also, geschwächt von Opernball, Lugner und anderen Kasperln, Villacher Fasching und allerhand so genannter Unterhaltung, gerade anfangen zu fasten, beginnen die Chinesen so richtig mit dem Feiern. So ist unser globales Leben eben heute zu einer großen Mischung von allem und von nichts geworden. Es ist immer irgendwo Winter und immer Sommer, und es steht immer irgendwo einer auf und ein anderer geht schlafen. Und wenn du Pech hast und den falschen Job, musst du eigentlich immer wach bleiben. Weil die globale Welt, ein depperter Ausdruck, ist immer in Bewegung und immer wach und immer laut. Und drum ist es mit dem Nachdenken nicht mehr weit her. Nicht einmal in der Fastenzeit.

Obwohl, manchmal hat man so einen Gedanken. Nur einen Augenblick. Und der lässt einem dann nimmer los. Man hat so ein Gefühl, als wäre es etwas ganz Besonderes gewesen. So etwas wie der Weisheit letzter Schluss sozusagen. Da sitzt man eben so da und trinkt einen Kaffee oder sitzt im Auto und starrt auf die rote Ampel, und plötzlich kommt so ein Gedanke. Einfach so. Und danach denkst du dir dann: „Aha, so ist das also.“

Da hat man jetzt in der Pyjamahose beim Kaffee oder beim blöd Schauen vor der Ampel die ganze Weisheit der Welt auf einmal in einem Gedanken erfahren. Und das Allerfaszinierendste dabei ist ja, dass nachher gar nichts anders ist.

Man hat zwar das Gefühl, dass man vielleicht das ganze Leben nur gelebt hat, um diesen einen Gedanken zu haben, also nichts weniger als das Geheimnis des Lebens zu entschlüsseln, und dann ist dieser Gedanke da und es ist nichts. Also nichts anderes als dass du dich mit dem Kaffe anpatzt vor lauter denken oder dass die Ampel dann doch grün wird und hinter dir alle hupen. Weil die hatten diesen Gedanken nicht. Die sind noch weit weg von der Weisheit. Die haben nur grün. Sonst nix.

Ich hab eben letztens auch so einen Gedanken gehabt. Und er ist nicht einmal von mir. Unser alter Pfarrer, wer ihn kennt, hat nämlich immer gesagt: „Alles geht. Nur Hose über Kopf anziehen geht nicht."“ Und das stimmt. Das erklärt alles. Das ist wahr. Die einzige, letzte Wahrheit. Der einzige Satz von ihm, den ich mir gemerkt habe. War aber genug.

Ja ja, jetzt ist schon wieder Freitag. Wie doch die Zeit vergeht. Und was sagen Sie zum Spiel gegen Deutschland? Oder eh nix?

 

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