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Luxbacher

Drei Euro

Schon wieder Freitag. Wie die Zeit vergeht. Und am besten merkt man den Wandel der Zeit ja immer dadurch, dass sich etwas ändert. Da hat man zum Beispiel ein Haus. Und das Haus hat ein Dach. Und dann kommt Emma. Und dann hat das Haus kein Dach mehr. Und dann denken alle nach. Ob es jetzt mehr Stürme gibt als bisher. Ob der Klimawandel eh schon da ist. Und es ist halt alles anders.

Es gibt aber auch viel kleinere Beispiele für den Wandel der Zeit. Ein dort so genannter großer Brauner, also die Spezies von Kaffee, die der Luxbacher immer trinkt, hat in dem Kaffeehaus, in dem der Luxbacher seinen Kaffe üblicherweise konsumiert, immer 2,85 gekostet. Also immer wahrscheinlich nicht. Aber seit zwei Jahren. Seit der Zeit eben, da der Luxbacher zum ersten Mal dieses Etablissement besuchte. Und diese Woche gehe ich wieder hin, trinke meinen dort eben so genannten großen Braunen, der in Wahrheit dort wie überall kaum von dem meist so genannten Verlängerten zu unterscheiden ist, und nehme in Vorbereitung des Zahlungsvorganges drei Euro aus der Tasche. Und dann sagt die Kellnerin „Drei Euro“. Nun hab ich ihr seit Jahr und Tag ohnehin drei Euro gegeben. Da war allerdings mein großzügiges Trinkgeld von 15 Cent bereits inkludiert. Jetzt aber hat sie erstmals kein Trinkgeld bekommen. Nicht weil ich so geizig bin. Nein, es war der Schreck. Drei Euro.

Also nehmen wir einmal an, vor einigen Jahren, als in Österreich noch die Banken die Parteien finanziert haben und wir noch den guten alten Schilling hatten, die älteren unter uns werden sich erinnern können, hätte der Wirt für einen Kaffee vierzig Schilling verlangt. Vierzig. Für einen Kaffee. Also abgesehen davon, dass sich das keiner getraut hätte, weil das damals der Preis für ein gerne so genanntes Menü war, hätten ihn die Gäste vermutlich an seine eigene Wirtshaustür genagelt und mit seinen eigenen Kaffeetassen beworfen.

Ich kann mich auch noch gut erinnern, dass die Luxbacherin und ich jahrelang ganze Menschenmengen mit der Geschichte unterhalten haben, dass wir in Florenz waren und gleich hinter dem allseits bekannten und beliebten Dom in Florenz zwei Cola getrunken und dafür fünfzig Schilling bezahlt haben. Man hat das damals auf die Lage von Florenz und insbesondere die bevorzugte Lage des Domes in Florenz, die Auswüchse des Tourismus und die Gier der Italiener zurück geführt. Heute braucht man für ein solches Erlebnis nicht mehr so weit fahren. Da reicht der Wirt ums Eck. Und es könnte sogar knapp werden mit den fünfzig Schilling.

Die Frage ist, wohin das führt. Ein eben so genannter große Brauner besteht ja in Wahrheit nur aus heißem Wasser und Spuren von Kaffee. Der Aufschlag auf den Materialwert geht also prozentuell in die Tausende. Würde unser Chef diesem Beispiel folgen, würde eine Ausgabe der SVZ plötzlich hundert Euro kosten. Und da würden Sie aber schön schauen. Aber der Kaffee kostet jetzt eben drei Euro. Und weil ich mich keinen geizigen Hund schimpfen lasse, gebe ich der Kellnerin seit dieser Woche, mit Ausnahme des Schocktages, 3,50. Womit auch ihr Einkommen verdreifacht wurde.

Ja ja, jetzt ist schon wieder Freitag. Wie doch die Zeit vergeht. Und rufen Sie eh fest an für die Frau Schiller?

 

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