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Luxbacher

Der gute Onkel

Schon wieder Freitag. Wie die Zeit vergeht. Jetzt scheint es doch tatsächlich ein wenig so als hätten das Christkind und der Osterhase ihre Geschäfte fusioniert. Zumindest was das Wetter betrifft. Gut, es mag daran liegen, dass Ostern heuer so extrem früh im Jahr war, aber jedenfalls dürften heuer eher die Schneehasen unterwegs gewesen sein um ihre Osternesterl zu verstecken. Egal. Das Essen hat uns ja trotzdem geschmeckt und die ganze liebe Familie hat man auch wieder einmal gesehen. Auch die Onkel. Wenn Sie auch einen Onkel haben muss ich Ihnen ja nichts erzählen. Solche Onkel haben eben ganz verschiedene Qualitäten. Da gibt es die lieben und netten Onkel. Und natürlich auch die weniger lieben und weniger netten Onkel. Im Ergebnis führt das dazu, dass man die Sorte lieber und netter Onkel eben deutlich öfter sieht als die Kategorie weniger lieber und weniger netter Onkel. Nicht zu vergessen natürlich die Erbonkel. Die versucht man ganz besonders oft zu sehen. Einerseits um einen guten Eindruck zu hinterlassen und nichts zu tun was dem allgemein erwarteten, späteren Erbe abträglich sein könnte und andererseits um sich ein wenig über den Gesundheitszustand des Herrn Onkel zu informieren. So kann man den Zeitpunkt des erwarteten Erbes ein wenig besser in die eigene Finanzplanung integrieren. Und dann ist da noch der berühmte Onkel aus Amerika. Uncle Sam. Nach dem Krieg, als er Kaugummi verteilte, war er beliebt. Etwas später, im allseits so genannten Wirtschaftswunder, war er das große Vorbild. Er hatte die längeren Autos und die höheren Häuser und die dickeren Zigarren und er hatte Hamburger.

Schön langsam aber blättert der Lack ein wenig ab vom guten alten Uncle Sam. Vor allem dann, wenn er sich in der Gestalt des, von bösen Zeitgenossen oft als ein wenig dümmlich bezeichneten, Präsidenten der Amis zeigt. Da tut man sich schwer mit dem Vorbild. Es ist ja schon recht eigenartig. Kaum können die Amis irgendwo auf der Welt einen Krieg gut brauchen, ist er auch schon da. Wenn man mit dem Öl was machen will, gibt es den Golfkrieg. Wenn einem in Südamerika was nicht passt, gibt es plötzlich den großen Aufstand und man muss helfen. Und wenn man sich die Ölquellen im Irak unter den Nagel reißen will, dann gibt es plötzlich einen Herrn Bin Laden und man muss den Welt-Terror bekämpfen. Und das Böse ist eben im Irak. Jetzt hat man zwar nach fünf Jahren weder den Herrn Bin Laden noch das Böse besiegt aber die Ölkontrakte sind ok.

Dank der unglaublichen Weisheit des kriegerischen Ami- Präsi ist zwar derweilen die amerikanische Wirtschaft baden gegangen und ist der Dollar heute um 50 Prozent weniger wert, das Böse aber zittert wahnsinnig. Und weil man jetzt bemerkt hat, dass China die amerikanische Wirtschaft eigentlich schon überholt hat, gibt es plötzlich einen Aufstand in Tibet. Im Olympiajahr können das die Chinesen nicht brauchen. Das ist peinlich. Und in den Medien sind die Tibeter natürlich die guten Jungs und die Chinesen die gelben Schweine. In den amerikanischen Medien, versteht sich. Aber was sehen wir denn im Fernsehen? Das was uns die amerikanischen Fernsehserien nach entsprechender Durchsicht durch den CIA und die Ami- Behörden vorgaukeln. Und unser liebes Staatsfernsehen macht mit. Da ist man in der so genannten „Zeit im Bild“ entsetzt darüber, dass die Leute in der chinesischen Botschaft in Wien einen gefesselt haben, der die chinesische Fahne durch die tibetische ersetzt hat. Würden Sie sich trauen die Ami-Fahne von der US-Botschaft zu reißen und durch eine Piratenflagge zu ersetzen? Wer sich traut gewinnt einen Aufenthalt in Guantanamo und ward nicht mehr gesehen.

Ja ja, jetzt ist schon wieder Freitag. Wie doch die Zeit vergeht. Und hätten Sie gerne gewählt?


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