Das Semmerl
Schon wieder Freitag. Wie die Zeit vergeht. Die ganz kleinen Dinge im Leben geben einem ja oft die größten Rätsel auf. Nehmen Sie zum Beispiel das Sockenphänomen. Man gibt ja Socken zumeist paarweise in die Waschmaschine. Das liegt daran, dass die allermeisten Menschen zwei Beine, somit auch zwei Füße und an diesen Füßen eben auch jeweils eine Socke, somit im Ergebnis also zwei Socken tragen und diese in der Regel nach Ablauf eines Tages einen gleichmäßigen Verschmutzungsgrad aufweisen und daher gemeinsam zur Wäsche kommen. Und vom Wäschezwischenlager kommen sie dann, eben auch gemeinsam also paarweise, in die Waschmaschine. Heraus kommt dann aber vielfach nur eine Socke. Eine nachweislich gemeinsam mit der zweiten Socke getragene und ebenso zur Wäsche gegebene und eben auch als Paar in die Waschmaschine expedierte Socke ist verschwunden.Gut, manchmal handelt es sich nur um ein scheinbares Phänomen und die verloren geglaubte Socke taucht wieder auf. Hinter dem Wäschekorb, neben der Waschmaschine oder was eben einer durchschnittlich intelligenten Socke sonst so alles als Versteck einfällt. In einigen Fällen ist und bleibt die Socke aber tatsächlich verschwunden und handelt es sich damit um ein gemeinhin so genanntes unerklärliches Rätsel der Menschheit.
Und dann gibt es noch die Sache mit der Semmel. Also am Samstag gehe ich immer Frühstücken in das Cafe L. Also immer ist jetzt vielleicht übertrieben. Aber oft. Im L. kann man sehr gut frühstücken. Und ich bestelle dort gerne das dort eben so genannte Frühstück New York. Dass dieses Frühstück New York heißt, bedeutet, so weit ich es beurteilen kann, vermutlich nichts. Es könnte genau so gut Rom oder Tamsweg oder Eugendorf heißen. Tatsächlich aber heißt es eben New York und besteht aus einem Müsli mit frischen Früchten, einer Platte mit Lachs, Streichkäse und einer Gemüsedekoration. Und als Extra gibt es noch drei Spiegeleier auf einem eigenen Teller. Abgesehen davon, dass ich die Gemüsedekoration noch niemals gegessen habe, entsteht das Problem, dass die drei Scheiben Toastbrot, die dazu gereicht werden, zwar für den Lachs, nicht jedoch für die Spiegeleier ausreichen. Und weil ich eben im Essen und daher naturgemäß auch im Bestellen des dort so genannten Frühstücks New York erfahren bin, bestelle ich immer eine Semmel extra dazu.
Und damit wären wir auch schon bei jenem unbegreiflichen Rätsel der Semmel. Dagegen nimmt sich dieses Sockending ja geradezu lächerlich aus. In neun von zehn Fällen, also an neun von zehn Samstagen, bekomme ich nämlich die Semmel, die ich bestellt habe, nicht. Jetzt wissen wir aber alle aus dem in den Schulen gerne so genannten Physikunterricht, dass auf dieser schönen Welt an Masse nichts verloren gehen kann. Lediglich der Zustand ändert sich. Also Wasser wird zu Eis, wenn es kalt ist, zu gasförmigem Dampf, wenn es sehr heiß ist, und der Lachs vom Frühstück ist zwar vermeintlich weg, wird aber beim Betreten der Badezimmerwaage wieder sichtbar. Aber wo bitte ist die Semmel?
Seit drei Jahren gehe ich in das Cafe L. Macht bei dann etwa 150 Samstagen 150 Semmeln, von denen 135 Semmeln eben nie den Weg zu mir gefunden haben. Bitte, das ist ja eine Menge. Die muss ja wo sein. Wenn zehn andere Gäste ebenfalls einen ähnlichen Erfolg beim Semmelbestellen haben, kommen noch einmal 1350 Semmeln dazu. Haben Sie eine Erklärung? Kann das so ähnlich sein wie die Geschichte mit dem Familienfasttag, wo ich nie verstanden habe, was es den armen schwarzen Kindern hilft, wenn ich keine Schokolade esse. Ist die Schokolade dann in Afrika? Die Semmeln aus dem Cafe L. auch?
Ja ja, jetzt ist schon wieder Freitag. Wie doch die Zeit vergeht. Und wissen Sie eh, dass man die Wasserränder in Blumenvasen mit Correga-Tabs entfernen kann?


Höhepunkt der Kältewelle