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Luxbacher

Licht aus

Schon wieder Freitag. Wie die Zeit vergeht. Das merkt man auch immer recht gut daran, wenn man sich so anschaut, was in den letzten Jahren und Jahrzehnten so alles passiert ist.

Kürzlich etwa habe ich mir so eine Sendung über die dort so genannten besten Fernsehmomente aus der gesamten Geschichte des Fernsehens angeschaut. Und so lang ist diese Geschichte ja noch nicht. Aber trotzdem, was da alles so passiert ist. Und ich war dabei. Mehr oder weiniger halt. Diese Sendung war ja im Staatsfernsehen. Und was noch erschwerend hinzukam: im deutschen Staatsfernsehen. Das ist ja die Steigerung von Staatsfernsehen überhaupt. Das ist ja schon so staubig, dass es einen wundert, dass man nicht nach der Sendung einen Kreuzerltest machen muss, um zu überprüfen, ob man eh tüchtig aufgepasst hat.

Auffallend im offenbar vom deutschen Publikum durchgeführten Ranking der besten Fernsehmomente in der Geschichte des Fernsehens war, dass es praktisch fast ausnahmslos deutsche Fernsehmomente waren. Hans Rosenthal sowieso, der Kennedy, der gern ein Berliner sein wollte, und so etwas eben.

Ein wenig schwer tut man sich als durchschnittlicher Österreicher, was daran so besonders bewegend sein soll, wenn der Herr Schumacher, vormals Autofahrer von Beruf, einmal in seinem Leben im Fernsehen weint. Und das vermutlich auch nur, weil ihm ein teuer bezahlter PR-Manager das so aufgeschrieben hat. Weil der Herr Schumacher halt immer ein wenig gefühllos gewirkt hat. Und das kommt in der Werbung nicht gut. Aber wenn der einmal weint, ist alles ok. Er weint. Er ist ein Mensch. Her mit der Werbung.

Ein ganz besonderer Moment im Fernsehen war, wenn man diesem ZDF-Ranking glauben darf, für die Deutschen natürlich der Moment, als sie Papst wurden. Da wurde quasi über Nacht eine ganze Nation katholisch, nur um daran Teil zu haben. Das „Wir sind Papst“ aus der Zeitung mit den großen Bildern ist ja längst legendär. Manchmal scheint es schon ein wenig so, als wäre es den Deutschen wurscht, warum sie in Massen jubeln. Nazis, Fußball WM, Papst, Hauptsache, man ist wer. In der Gruppe halt.

Und der allertollste Moment war natürlich dieser von den Deutschen so genannte Mauerfall. Die Mauer, die man mit der Blödheit von Krieg und Fehlpolitik selbst gebaut hat. fällt, und alle finden das toll. Und vor allem war halt die Mauer in Deutschland. Es kann nur ein deutsches Thema im deutschen Fernsehen gewinnen.

Der einzige Moment, der mich im Fernsehen je bewegt hat, war dieses eine erleuchtete Fenster im päpstlichen Palast in Rom, hinter dem gerade der Papst im Sterben lag. Und vor dem Gebäude tausende Menschen. Und dann geht das Licht aus und es ist total ruhig. Da hat es einer in einer Sekunde seines Sterbens geschafft, das ganze Leben zu erklären. Der hat in dieser Sekunde mehr geleistet als im ganzen Leben.

Das ist das Wesen des Lebens. Einmal geht das Licht aus. Und dann ist eigentlich alles gut, so vieles ganz klein, da ist es eigentlich egal, ob das Vorher zehn oder hundert Jahre gedauert hat. Es ist die einzige Weisheit, die mir das Fernsehen je vermittelt hat. Und es hat mich tief im Herzen angerührt. Das Licht geht aus. Und es ist so normal. Ein ganzes Leben zu Ende und irgendwie nicht anders, als wenn du ins Büro fährst. Licht aus.

Ja ja, jetzt ist schon wieder Freitag. Und was sind das eigentlich für komische Geräusche aus Ihrem Keller?


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