design by atikon.com - Werbeagentur Linz, Österreich
Höhepunkt der Kältewelle
Am Vormittag zeitweise sonnig. Am Nachmittag breiten sich Wolken und leichter Schneefall allmählich auf den Großteil Salzburgs aus.
Temperaturen: -25 bis -9 Grad
 

Luxbacher

Der Muttertag

Schon wieder Freitag. Wie die Zeit vergeht. Wenn Sie von mir erwartet haben, dass ich Sie rechtzeitig, also vorher, also in Form einer Ankündigung, auf den nahenden Muttertag hinweise, werden Sie jetzt vermutlich enttäuscht sein. Also am vergangenen Sonntag war Muttertag. Wenn Sie aber mir jetzt die Schuld dafür geben, dass Sie den Muttertag vergessen haben und die Frau Mama nicht in ein überfülltes Ausflugsgasthaus eingeladen haben, muss ich Ihnen entgegen halten, dass es einfach unverantwortlich ist, sich ausschließlich immer auf den Luxbacher zu verlassen.

Sie müssten ja eigentlich ohnehin bereits vorher in jedem Baumarkt diese herrlichen Muttertagsangebote gesehen haben. Also besonders hübsche Hüllen für die Gartenmöbel und so was halt. Die Geschirrabteilungen in den Kaufhäusern stellen ja auch immer so hübsche Herzen zwischen die Teller und Töpfe vor dem Muttertag. Das ist wesentlich zuverlässiger, als es jeder Luxbacher jemals sein kann. Und der einfachste Indikator für den nahenden Muttertag ist natürlich der Blumenpreis im floristischen Fachhandel. Wenn besonders grausliche Rosen besonders teuer sind, dann ist der Muttertag nimmer weit. Dieser Indikator ist natürlich dann völlig wirkungslos, wenn Sie nur einmal im Jahr, nämlich am allseits eben so genannten Muttertag, Blumen kaufen. Denn dann sehen Sie das einerseits nicht vorher, weil Sie ja nicht wissen, dass der Muttertag kommt, und selbst wenn Sie durch Zufall oder wie auch immer rechtzeitig vor dem Muttertag im Blumengeschäft wären, würden Sie die Preise zwar für hoch, vermeintlich aber normal, halten, weil Sie die tatsächlich normalen Preise ohne Muttertag ja nicht kennen. Nicht?

Aber für den Fall der Fälle: Jetzt sind die Blumen billiger und Ihre Mutter wird sich auch diesen Sonntag über einen Ausflug freuen. Sagen Sie halt irgend was von Stress und so. So halblaut. Irgendwie.

Und eigentlich und in der Essenz würde es in Wahrheit am Muttertag ja gar nicht so sehr um das Schnitzel beim Wirten und die Gartenmöbelhüllen gehen. Er wäre irgendwie als Tag für einen innigen Dank gedacht. Wofür bedankt man sich in Sachen Erziehung? Für Essen, Ausbildung, den Vortrag über die Pudelhaube im Winter? Ich bin ja in einer Zeit aufgewachsen, als wir noch Spielzeugpistolen geschenkt bekommen haben. Ich habe trotzdem und auch ohne Waldorfschule keinen umgebracht. Bisher.

Damals haben die Eltern auch nicht siebenundzwanzig Bücher über Pädagogik gelesen, wenn sie Kinder hatten. Wir waren da. Die Eltern waren da. Und beide Seiten haben nicht bei jedem Wort über mögliche spätere Folgeschäden, anstehende Traumata und Gefahren für den Weltfrieden nachgedacht. Ich hatte eine wunderbare Kindheit. Besonders toll war die Leere. Die Tatsache, dass sich meine Eltern nicht permanent pädagogisch eingebracht haben. Stunden und Tage habe ich auf meiner Schaukel verbracht und mir in meinem Kopf meine Welt gemacht. Eli Elefant, das beste Buch überhaupt, gelesen und mir noch viele Geschichten dazu ausgedacht.

Diese Zeit haben mir meine Eltern gegeben. Ohne minütlich an mir herum zu erziehen. Aus der Leere entsteht Phantasie. Ich zehre heute noch davon. Ich habe mir bis zehn meine Welt erdacht und lebe Sie jetzt mit Genuss. Und jeden Tag bin ich dankbar dafür. Sogar am Muttertag. Kein Wort könnte ich schreiben, wenn es mir nicht in den Sinn gekommen wäre. Damals auf der Schaukel. Dankeschön.

Ja ja, jetzt ist schon wieder Freitag. Wie doch die Zeit vergeht. Und gibt es eigentlich wirklich nix gegen Blütenstaub auf dem Auto?


Ein Unternehmen der Aistleitner-Holding
SVZ.AT als Startseite festlegen Zurück Drucken
Salzburger Volkszeitung, Schrannengasse 6, 5020 Salzburg
Tel: +43(0)662/879491, Fax: +43(0)662/87949113, Mail: