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Luxbacher

Raum und Zeit

Schon wieder Freitag. Wie die Zeit vergeht. Unser Leben ist ja eigentlich gar nichts anderes als eine Reise durch Raum und Zeit. Manchmal ist es eine eher fade, so lau dahin gleitende Fahrt wie mit dem Zug zwischen Salzburg und Linz. Dann aber auch wieder wie eine Höllenfahrt mit über zweihundert Sachen über die Tauernautobahn bei Glatteis und dichtem Nebel. Ganz besonders dann, wenn so besonders einschneidende Dinge passieren. Ein Umzug zum Beispiel. Die SVZ übersiedelt ja gerade die Redaktion. Die Entfernung wäre nicht wirklich das Problem. Hundert Schritte sind es von unseren alten Redaktionsräumen in der Bergstraße zu unseren neuen Redaktionsräumen in der Schrannengasse. Die Problematik ergibt sich mehr aus den Faktoren Raum und Zeit.

Nehmen wir etwa die österreichische Telekom. Das ist diese super Telefonfirma die unserem allseits geliebten Staat gehört und die, was natürlich praktisch ist, ein Monopol auf die Telefonleitungen hat. Dort war man sich vor zwei Wochen noch ganz sicher, dass man für zwei Datenleitungen acht Wochen braucht, obwohl das Ende dieser Datenleitungen sich ja lediglich um die besagten hundert Schritte ändert und die Leitungen selbst, also die so genannten Kabel, bereits da sind. Ein Druck aufs Knöpferl. Mehr wollte keiner. Acht Wochen. Nicht zu glauben. Jetzt haben natürlich der Herr Chef und alle die da bei uns was zu sagen haben wie die Blöden Beruhigungspulverl geschluckt und telefoniert und getobt und geheult und ich weiß nicht was und jetzt geht es sich doch noch heute aus mit den Leitungen. Wenn Sie aber schon einmal umgezogen sind, wissen Sie ja sicher eh selbst was da alles an Überraschungen lauert. Die neuen Räume schauen ja leer sehr groß aus. Und dann kommen die kräftigen Burschen von der Übersiedlungsfirma und räumen alles voll. Ein Kasten nach dem anderen und noch ein Tisch und noch einer und Stühle und hunderte Schachteln. Und dann relativiert sich der Raum schnell.

Und weil Raum, auch wenn es viel Raum ist, doch relativ bleibt, gilt es die eine oder andere Entscheidung zu treffen. Was kommt mit? Was kommt zum Müll? Es ist ja auch nicht wirklich sinnvoll, Dinge, die schon seit zehn Jahren keiner mehr gebraucht hat mit zu nehmen. Und so werden wir uns von den alten Stahlschränken, ich liebe sie heiß, von einigen fragmentarisch erhaltenen Möbeln und ein paar Tonnen Papier verabschieden. Wie relativ sich die Zeit zur Technik verhält zeigt auch unsere kleine, redaktionsinterne Ausstellung „Schreiben im Wandel der Zeit“. Also so Steinplatten mit Meisel haben wir nicht mehr lagernd. Aber seit der Erfindung der Schreibmaschine ist alles da. Mechanisch, Kugelkopf, Typenrad und Computer von einst bis zumindest gestern. Neu können wir uns nicht leisten, sagt der Chef.

Auch wie die Zeit vergeht zeigt ein Umzug. Wenn man lang in einem Gebäude war gibt es auch eine Bindung. Ich werde die Bergstraße vermissen. Den Geruch von Druckerschwärze. Den Donnerhall der zufallenden Eisentür, die Unmöglichkeit des Ausblickes durch die milchgläsernen Fenster. Wieder ein Stück Zeit vorbei. Auf Wiedersehen ihr Stahlschränke.

Ja ja, jetzt ist schon wieder Freitag. Wie doch die Zeit vergeht. Und wird es mir in der Schrannengasse gefallen?

 

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